Großprojekt im Zahlungsverkehr

22.03.17 09:36

Treasury-Ausbau bei J.F. Hillebrand

Von Sabine Paulus

Treasury-Chef Ralf-Jörg Weigold berichtet, wie er das Treasury des Logistikdienstleisters J.F. Hillebrand zum Konzerndienstleister umbauen will.

Ralf-Jörg Weigold will beim Logistikdienstleister J.F. Hillebrand das Treasury zum Konzerndienstleister ausbauen.

J.F. Hillebrand, FINANCE

Ralf-Jörg Weigold will beim Logistikdienstleister J.F. Hillebrand das Treasury zum Konzerndienstleister ausbauen.

J.F. Hillebrand ist ein typischer „Hidden Champion“, der mit 57 Standorten in 36 Ländern in den vergangenen Jahren Wachstumsraten von 6 bis 9 Prozent jährlich verzeichnen konnte. Seit 2007 hat sich der Umsatz des Mainzer Logistikdienstleisters  auf 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2015 nahezu verdoppelt. Die Strukturen – in der Finanzabteilung und insbesondere im Treasury – sind aber nicht in gleichem Maße mitgewachsen. Für CFO Kevin Brock Grund genug das zu ändern.

„Im Sommer 2014 entschied sich der Vorstand, das Treasury zum Konzerndienstleister auszubauen“, sagt Ralf-Jörg Weigold. Kurze Zeit später kam er vom ebenfalls in Mainz ansässigen Schott-Konzern als neuer Vice President Global Treasury and Financing zur J.F. Hillebrand Group. Dort verantwortet er seither die Bereiche Finanzierungen, Risikomanagement, Cash Management sowie Zahlungsverkehr und globale Liquiditätssteuerung. Seine Aufgabe bei seinem Einstieg war klar definiert: die seit 2002 bestehende Treasury-Organisation strategisch ausbauen und mit dem internationalen Roll-out eines neuen Treasury-Management-Systems zur Inhouse-Bank der Gruppe entwickeln. Die Ziele: Prozesse harmonisieren und Transparenz schaffen, Einsparpotentiale eruieren und realisieren sowie zu guter Letzt den gewachsenen Compliance-Anforderungen Rechnung tragen.

Viele Einzelprojekte im Treasury von J.F. Hillebrand

Aus Treasury-Sicht ist das eine Mammutaufgabe mit vielen Einzelprojekten. Die im Geschäftsmodell begründeten dezentralen Strukturen sollten zumindest aus Treasury-Sicht aufgebrochen werden. Ein Eckpfeiler von Weigolds Strategie lag im Cash Management und Zahlungsverkehr. Beides sollte zusammen mit der Liquiditätsplanung und -steuerung zentral komplett neu aufgestellt werden. Grundlage für dieses Projekt war ein neu implementiertes Treasury-Management-System. „An meinem zweiten Arbeitstag bei J.F. Hillebrand habe ich das Thema IT angepackt“, sagt Weigold.

Mit Hilfe des im Treasury-Management-System integrierten Zahlungsverkehrsmoduls hat der Treasury-Chef eine bankenunabhängige Zahlungsverkehrsplattform für alle Gesellschaften weltweit geschaffen. Ihm kam dabei zugute, dass das Familienunternehmen über global standardisierte Geschäftsprozesse verfügt und weltweit bereits ein einheitliches ERP-System vorhanden war. „Wir können nun von überall her auf das gleiche System zugreifen“, sagt Weigold. „Systemintegration und Digitalisierung sind unsere Schlüsselthemen.“

Neustrukturierung von Zahlungsverkehr und Cash Management

Nachdem das Treasury-Management-System weltweit ausgerollt war, konnte der Treasurer im Frühjahr 2015 die Neustrukturierung von Zahlungsverkehr und Cash Management anpacken. Der Treasury-Chef von J.F. Hillebrand schrieb den Zahlungsverkehr global für die drei Regionen Asien-Pazifik, Europa und USA neu aus. Drei internationale Banken gewannen das Mandat für je eine der drei Regionen. „Über diese drei Kreditinstitute werden wir nun 90 bis 95 Prozent unseres Zahlungsverkehrs abbilden“, sagt Weigold.

Auch im Cash Management hat der Treasury-Chef in den vergangenen zwei Jahren einiges getan: „60 Prozent der liquiden Mittel haben wir mit Stand zum Januar 2017 gepoolt“, sagt Weigold. 2014 waren es lediglich 20 bis 25 Prozent. Jetzt kommt die Detailarbeit: „Es ist nun an der Zeit, das, was wir neu aufgebaut haben, auch zu nutzen und die Strukturen zu verfeinern“, sagt Weigold.

Paulus[at]derTreasurer.de