Steigende FX-Kosten spielen ebenfalls eine Rolle

03.04.17 15:05

Brexit: Britische Treasurer rechnen mit steigenden Kosten

Von Sabine Paulus

Britische Unternehmen rechnen mittel- bis langfristig mit steigenden Kosten – sowohl für Finanzierungen als auch für Währungssicherungen.

Britische Treasurer glauben, dass die Preise für Fremdkapital mittel- bis langfristig steigen werden.

Andrey Krav/iStock/Thinkstock/Getty Images

Britische Treasurer glauben, dass die Preise für Fremdkapital mittel- bis langfristig steigen werden.

Der Brexit treibt britischen Unternehmen keine Schweißperlen auf die Stirn. Dennoch rechnen die meisten von ihnen mit direkten Folgen für ihre Unternehmensfinanzierung. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die die Wirtschaftskanzlei Herbert Smith Freehills im Februar und März dieses Jahres unter 70 großen, gelisteten Unternehmen im Vereinigten Königreich durchgeführt hat.

Demnach gehen die Befragten davon aus, dass die Preise für Fremdkapital mittel- bis langfristig steigen werden. Fast die Hälfte von ihnen rechnen in diesem Jahr im Vergleich zu 2016 mit steigenden Finanzierungskosten. 46 Prozent der Befragten, die höhere Kosten erwarten, führen den Anstieg auf steigende Margen zurück, 38 Prozent von ihnen rechnen mit steigenden Bankfinanzierungskosten. Nach Aussagen der Studienautoren setzten die Banken ihr Kapital derzeit weit vorsichtiger ein. Es gebe Anzeichen, dass sie sich  aus einigen Kreditbeziehungen zurückziehen würden, bei denen der Ertrag nicht ihren Vorstellungen entspreche, heißt es in der Studie.

Währungsschwankungen treiben Treasurer verstärkt um

17 Prozent der Befragten aus dem Vereinigten Königreich, die höhere Kosten erwarten, führen diese auf steigende FX-Kosten zurück. Das britische Pfund war in der Vergangenheit keine besonders volatile Währung, bis im vergangenen Juni das Brexit-Votum bekannt wurde. Innerhalb weniger Stunden fiel der Kurs des britischen Pfund von 1,40 je Euro auf 1,20. Seither hat die britische Währung weiter an Wert verloren und ist vor allem volatiler geworden. Infolgedessen mussten einige US-amerikanische und europäische Großkonzerne im dritten Quartal vergangenen Jahres Ertragseinbußen durch Währungsschwankungen hinnehmen.

Auch für deutsche Treasurer bleiben die Währungsrisiken die größte Brexit-Sorge, wie eine aktuelle Umfrage von DerTreasurer und der Deutschen Bank unter leitenden Treasurern im deutschsprachigen Raum zeigt. Jeder achte Befragte hat demnach den Sicherungsgrad im britischen Pfund erhöht.

Fremdkapitalfinanzierungen dürften bald zunehmen

Mit mehr Aktivität rechnen die Studienautoren in den nächsten eineinhalb bis zwei Jahren auch bei Finanzierungstransaktionen: Die Kombination aus dem Hype an Amend-and-Extend-Finanzierungen und Refinanzierungen im Jahr 2015 und der Gefahr des Brexits für das grenzüberschreitende Kreditwesen dürfte insbesondere Ende 2018 und Anfang 2019 zu zahlreichen Anschlussfinanzierungen führen. Dadurch könnte es zu einem spürbaren Engpass bei Kreditfinanzierungen kommen, heißt es in der Studie.

Deswegen ist es wahrscheinlich, dass die britischen Unternehmen ihre Fremdkapitalfinanzierung weiter diversifizieren werden, insbesondere durch US-Private-Placements. Obwohl die Banken nach wie vor die vorherrschende Quelle für Fremdkapital seien, dürften die Unternehmen der Studie zufolge 2020 fast die Hälfte ihrer Fremdkapitalaufnahme über den Privatplatzierungs- und Kapitalmarkt aufnehmen.

Im operativen Geschäft erwarten die meisten Umfrageteilnehmer aus dem Vereinigten Königreich allerdings erste einmal „Business as usual“. Fast 80 Prozent der befragten Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich, glauben, dass der Brexit langfristig einen positiven oder neutralen Einfluss haben wird. 89 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, ihre Ausgabenpläne seien gleich wie in den vergangenen Jahren – trotz Brexit.

Paulus[at]derTreasurer.de