EBA-Definition sorgt für Aufregung im Corporate Treasury

03.07.15 08:25

Das Treasury als Schattenbank?

Von Desiree Backhaus

Es klingt skurril und könnte doch wahr werden: Laut einer Definition der europäischen Bankenaufsicht EBA könnten Corporate-Treasury-Abteilungen künftig als Schattenbanken gelten. Die Folgen wären fatal.

In den Schatten gedrängt: Die EBA könnte aus dem zentralisierten Corporate Treasury eine Schattenbank machen.

IngramPublishing/Thinkstock/GettyImage

In den Schatten gedrängt: Die EBA könnte aus dem zentralisierten Corporate Treasury eine Schattenbank machen.

Corporate-Treasury-Abteilungen sind es inzwischen gewohnt, dass Finanzmarkregulierungen auch ihr Geschäft betreffen. Die Meldepflicht von Derivatetransaktionen gemäß Emir ist ein prominentes Beispiel. Ein Papier der europäischen Bankenaufsicht EBA übertrifft nun aber die schlimmsten Vorstellungen: Der Richtlinienentwurf könnte dazu führen, dass Corporate-Treasury-Einheiten und Inhouse-Banken künftig als Schattenbanken gewertet werden.

So interpretieren zumindest Lobby-Verbände wie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) und die Loan Market Association (LMA) den EBA-Richtlinienentwurf vom 19. März. Konfrontiert mit dieser Neuigkeit reagieren Corporate Treasurer entsetzt: „Das wäre grotesk“, sagt der Treasury-Chef eines MDax-Unternehmens gegenüber DerTreasurer.

EBA: Unternehmensinterne Kredite sind Schattenbankaktivität

Was ist passiert? In der EU-Bankenverordnung (CRR) hat der europäische Gesetzgeber schon vor geraumer Zeit festgelegt, dass Banken ihre Kreditvergabe gegenüber Unternehmen des Schattenbankensektors begrenzen sollen. Bislang gab es jedoch keine klare, geschweige denn rechtlich bindende Definition von Schattenbanken innerhalb der Europäischen Union (EU). Am 19. März hat die EBA erstmals eine solche Definition vorgelegt. Demnach gilt eine Institution automatisch als Schattenbank, wenn sie Kredite gewährt, Einlagen hält, Garantien einräumt oder Finanzinstrumente für sich selbst oder Kunden handelt.

Inzwischen haben Experten festgestellt, dass diverse der insgesamt elf Punkte auch auf zentralisierte Treasury-Einheiten zutreffen dürften. „Unternehmensinterne Kredite könnten demnach als Schattenbankaktivität gewertet werden, ebenso wie der Abschluss von Derivatekontrakten für Tochtergesellschaften und andere typische zentralisierte Treasury-Aktivitäten“, sagt Gerrit Fey vom Deutschen Aktieninstitut (DAI).

Welche Konsequenzen es hätte, als Schattenbank eingestuft zu werden, und wie die EBA auf das Feedback reagiert, das lesen Sie in unserem aktuellen E-Magazin.