Treasurerverband prangert extraterritoriale Wirkung der Emir-Verordnung an

10.07.14 08:00

Derivatebesicherung: ACT fordert Änderungen

Von Andreas Knoch

Der Treasurerverband ACT fürchtet nachteilige Folgen der Besicherungspflicht für das unternehmerische Risikomanagement und pocht auf entsprechende Änderungen in der europäischen Derivateverordnung Emir.

Der ACT fürchtet Negatives für Finanzplätze wie Frankfurt und London.

Thinkstock / Getty Images

Der ACT fürchtet Negatives für Finanzplätze wie Frankfurt und London.

In einer jüngst veröffentlichten Stellungnahme des ACT, reagiert der Verband auf die Mitte April von der europäischen Wertpapieraufsicht Esma vorgelegten technischen Standards zur Risikominimierung für OTC-Derivate, die nicht über einen zentralen Kontrahenten abgewickelt werden. Stein des Anstoßes ist eine Formulierung in dem Konsultationspapier, durch die auch nicht-systemrelevante Unternehmen der Realwirtschaft – sogenannte „NFC Minus“ – in den Dunstkreis der Besicherungspflicht rutschen könnten. In der Passage heißt es, dass „Banken bei jedweden Unternehmen mit Sitz außerhalb der EU Marginzahlungen eintreiben müssen“. Die für EU-domilizierte Unternehmen geltenden Außnahmen von der Besicherungspflicht wären für diese Unternehmen somit außer Kraft gesetzt.

Dem ACT zufolge hätte das negative Auswirkungen für den gesamten Finanzsektor in Europa. „In der Konsequenz würde kein NFC Minus außerhalb der EU mehr OTC-Derivate mit einer europäischen Bank abschließen. Den Finanzinstituten würde damit die Möglichkeit genommen, Geschäft mit solchen Unternehmenskunden zu machen. In Anbetracht der Bedeutung der Finanzplätze London und Frankfurt würde sich das nicht nur negativ auf den Bankensektor sonder auf die gesamte europäische Wirtschaft auswirken“, heißt es in der Stellungnahme des ACT.

Probleme für Treasury-Einheiten außerhalb der EU

Zudem hätte die Regelung eine weitere negative Dimension, die in der Organisationsstruktur der Treasury-Abteilungen vieler EU-Großkonzerne begründet liegt. Deren Bankbeziehungen werden zwar meistens zentral im Treasury gesteuert – was in der Regel auch für den Handel mit Derivaten gilt. Doch es gibt eben auch Ausnahmen, wo lokale Treasury-Einheiten, die außerhalb der EU sitzen, Derivate zur Risikoabsicherung abschließen können. Sehr oft wird diesen Einheiten allerdings vorgeschrieben, dass sie mit den gleichen (EU)-Banken handeln müssen wie die Treasury-Zentrale. Würde die besagte Besicherungsregel in die Praxis umgesetzt hieße das, dass diese Unternehmen ihre Bankenpartner wechseln müssten, schlußfolgert der ACT.

Damit würde sich bewahrheiten, was viele Treasurer schon länger befürchten: Die Ausnahmen von der Besicherungspflicht, die für Unternehmen aus der Realwirtschaft gelten so sie denn als nicht systemrelevant eingestuft werden, werden langfristig direkt oder indirekt aufgeweicht. Denn die Ziele der Aufsichtsbehörden weltweit sind klar: OTC-Derivate, die nicht über einen zentralen Kontrahenten abgewickelt werden, sollen – um systemische Risiken zu verringern –sanktioniert werden. Und das geschieht am effektivsten, indem man die Geschäfte mit zusätzlichen Auflagen und Kapitalanforderungen – vor allem bei den Banken – unattraktiv macht.

Knoch[at]derTreasurer.de