Länderrisiken könnten 2015 weiter steigen

11.03.15 08:00

Geopolitische Risiken: Absicherung wird schwieriger und teurer

Von Desiree Backhaus

Die zahlreichen geopolitischen Konflikte treffen auch Treasury-Abteilungen: Absicherungen werden immer schwieriger und teurer. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

Die Länderrisiken könnten 2015 weiter steigen: Absicherungen werden immer schwieriger und teurer.

Jon11/iStock/Thinkstock/Getty Images

Der Ukraine-Konflikt belastet auch deutsche Firmen.

Ukraine-Krise, Gewalt im Nahen Osten, Ölpreisverfall – die Länderrisiken nehmen immer weiter zu. Sowohl der Industrieversicherungsmakler Marsh als auch der Kreditversicherer Euler Hermes haben jüngst vor steigenden geopolitischen Risiken gewarnt. Auf die Watchlist sollten Unternehmen demnach vor allem Argentinien, Thailand und die Türkei setzen, wo bevorstehende Wahlen und Einschränkungen der Rechtsstaatlichkeit Risiken schüren. Darüber hinaus gerieten Länder wie Venezuela, Iran, Mexiko und Russland wegen der sinkenden Öleinnahmen unter Druck, warnen Marsh und Euler Hermes übereinstimmend.

„Unternehmen haben dadurch ein erhöhtes Bedürfnis nach Absicherung ihrer Risiken“, sagt Euler-Hermes-Risikovorstand Thomas Krings. Dies wird jedoch immer schwieriger – insbesondere in der Ukraine und in Russland: „In der Ukraine ist es für Unternehmen fast nicht mehr möglich, neue Versicherungen gegen Länderrisiken abzuschließen“, sagt Tobias Federkeil, Experte für politische Risiken bei dem Industrieversicherungsmakler Marsh. Auch in Russland wird die Lage angespannter.

HypoVereinsbank stellt noch Akkreditive in Ukraine aus

Bei Akkreditiven sieht es dagegen besser aus: „Für Handelsgeschäfte, die nicht unter die Russland-Sanktionen der EU oder der USA fallen, stellen wir weiterhin Akkreditive zur Verfügung“, sagt Franz Zahn, Leiter Global Transaction Banking bei der HypoVereinsbank in Deutschland. Auch Hermes-Deckungen gibt es grundsätzlich noch – sowohl für das Ukraine- als auch für das Russland-Geschäft, erklärt ein Sprecher von Euler Hermes gegenüber DerTreasurer. Zu den Deckungsvolumina für 2014 machte er keine Angaben. Signifikante Änderungen scheint es aber nicht gegeben zu haben: Russland liegt nach wie vor unter den Top 3, die Ukraine unter den Top 15.

In Russland müssen Exporteure und Banken bei Euler Hermes schriftliche Bestätigungen einreichen, dass das jeweils zur Deckung beantragte Geschäft nicht gegen die bestehenden Sanktionen verstößt. Sie verbieten den Export bestimmter Produktgruppen nach Russland. Der Großteil darf jedoch weiterhin exportiert werden.

Für den entsprechend größeren Prüfaufwand erhebt die HypoVereinsbank keine höheren Gebühren, sagt Zahn: „Eine ungünstiger werdende Zinssituation spiegelt sich allerdings schon in der Kostenstruktur wider.“ Mit anderen Worten: Am Ende wird Exportfinanzierung in diese Länder dennoch komplizierter und teurer für Unternehmen.

Backhaus[at]derTreasurer.de