Griechenland schränkt Zahlungsverkehr ein

29.06.15 11:28

Griechische Kapitalverkehrskontrollen treffen deutsche Treasurer

Von Desiree Backhaus

Griechenland will die Kapitalflucht ins Ausland stoppen und führt Kapitalverkehrskontrollen ein. Treasurer haben vorgebeugt und in den vergangenen Tagen täglich Geld aus dem Krisenland abgezogen.

Griechisches Parlament in Athen. Düstere Aussichten für Griechenland: Die Regierung hat Kapitalverkehrskontrollen verhängt.

iStock/Thinkstock/Getty Images

Griechisches Parlament in Athen. Düstere Aussichten für Griechenland: Die Regierung hat Kapitalverkehrskontrollen verhängt.

Die griechische Regierung hat die Banken bis zum kommenden Montag geschlossen und Kapitalverkehrskontrollen verhängt. Damit will die Regierung um Ministerpräsident Alexis Tsipras eine weitere Kapitalflucht aus dem Land vermeiden, die zum Kollaps des griechischen Bankensystems führe könnte. Am Wochenende waren die Verhandlungen mit den Gläubigern der Eurogruppe gescheitert. Die EZB hatte daraufhin angekündigt, die ELA-Nothilfen für griechische Banken, die sich aktuell auf 90 Milliarden Euro belaufen, nicht weiter zu erhöhen.

Die Kapitalverkehrskontrollen treffen auch deutsche Unternehmen, die in Griechenland Geschäfte machen: Wer auf Zahlungen von griechischen Kunden wartet, dürfte nun Schwierigkeiten haben, an das Geld zu kommen: Überweisungen auf ausländische Konten müssen vorläufig von einer Kommission innerhalb des griechischen Finanzministeriums genehmigt werden. Die Kommission wird aber nur Überweisungen erlauben, die sie für notwendig hält, um „ein öffentliches oder soziales Interesse zu schützen“. Für das normale Importgeschäft wird es dagegen Medienberichten zufolge offenbar keine Ausnahmen geben. Deutschen Unternehmen drohen daher Abschreibungen auf griechische Forderungen.

Wie geht es mit Cash Pooling weiter?

Die Verunsicherung ist groß – auch im Cash Management: „Unternehmen lassen heute schon viel seltener Cash in den Peripherie-Staaten liegen, viele Unternehmen ziehen ihr Geld über den Cash Pool am Ende des Tages ab“, sagte EY-Berater Roger Disch bereits im Dezember gegenüber DerTreasurer.  Damals kochte die Gefahr eines Grexit wieder hoch, da sich ein Wahlerfolg von Tsipras‘ Partei Syriza abzeichnete.

Nun scheint es angesichts der Kapitalverkehrskontrollen jedoch so, als ob Cash Pooling mit griechischen Tochtergesellschaften nicht mehr möglich ist. Deutsche Bankhäuser eruieren diese Fragestellungen nun, sind für eine offizielle Stellungnahme zu dem bestimmten Thema allerdings bislang noch nicht zu erreichen. Von der Deutschen Bank etwa heißt es lediglich allgemein: „Wir berücksichtigen die neuen Rahmenbedingungen in unseren Prozessen und Abläufen, um unsere Geschäftsaktivitäten sowie Kundenservices zu gewährleisten.“ 

Deutsche Treasurer holen Notfallpläne heraus

Viele in Griechenland tätige deutsche Konzerne wie etwa der Industriegasehersteller Linde haben sich deshalb mit Notfallplänen auf die Einschränkung des Zahlungsverkehrs in Griechenland sowie einen drohenden Grexit vorbereitet. Ein Sprecher der Münchener sagte gegenüber DerTreasurer, dass der Umsatz der Tochtergesellschaft Linde Hellas LTD bei unter 1 Prozent des Gesamtumsatzes liege. Wenig Geld liege derzeit überhaupt bei griechischen Banken, so der Sprecher, ohne den Betrag genau zu beziffern.

Insbesondere in den letzten Tagen haben man das Thema wieder verstärkt auf die Agenda genommen und Cash täglich abgezogen, sagt der Treasury-Chef eines anderen betroffenen Dax-Unternehmens.

Die Verunsicherung lässt sich auch an den Aktienkursen betroffener Unternehmen ablesen: Der Aktienkurs der Deutschen Telekom, die mit 40 Prozent am griechischen Telekom-Konzern OTE beteiligt ist, gab heute Vormittag um zwischenzeitlich 5 Prozent nach und notiert nun bei 15,70 Euro. Das Unternehmen erklärte, die griechische Tochter sei in hervorragender Verfassung.

Backhaus[at]derTreasurer.de