Effektivitätsschwellen werden abgeschafft

18.12.13 08:09

Hedge Accounting: IASB bessert bei IFRS 9 nach

Von Desiree Backhaus

Das International Accounting Standards Board (IASB) hat ein neues Kapitel der Bilanzierungsvorschrift IFRS 9 veröffentlicht. Die Ergänzungen im Hedge-Accounting-Teil sollen vor allem die Absicherung im Warenbereich erleichtern und die Volatilität in der GuV reduzieren.

Das produzierende Gewerbe profitiert besonders: Die neue Fassung von IFRS 9 erleichtert das Hedge Accounting.

Thinkstock / Getty Images

Das produzierende Gewerbe profitiert besonders: Die neue Fassung von IFRS 9 erleichtert das Hedge Accounting.

Das International Accounting Standards Board (IASB) hat die Bilanzierungsvorschrift IFRS 9 überarbeitet, um den Anforderungen des Risikomanagements besser gerecht zu werden. Die für Unternehmen wichtigste Änderung ist nach Meinung von Experten die Abschaffung der starren Effektivitätsmessung von Sicherungsgeschäften. Diese Tests erfolgen in der Regel anhand von Cost-Collar-Verfahren, in denen die Wertänderung von Derivaten der Wertänderung des dadurch abgesicherten Grundgeschäfts gegenübergestellt wird.

Nach dem bisher gültigen Standard IAS 39 ist es so, dass bei einer Effektivität von 81 Prozent Hedge Accounting möglich ist. Es müssen daher nur die 19 Prozent Ineffektivität in der GuV einfließen. Ist eine Absicherung dagegen nur zu 79 Prozent effektiv, ist Hedge Accounting überhaupt nicht erlaubt und das Ergebnis wird vollständig belastet. Nach dem überarbeiteten IFRS 9 können Unternehmen nun auch Sicherungseffeke von weniger als 80 Prozent bilanzieren und nur der ineffektive Teil wird ergebniswirksam. „Das ist sinnvoll, denn die alte Grenze war willkürlich gesetzt und hat für höhere Volatilität in der GuV gesorgt“, sagt Christian Debus, Partner bei KPMG.

Hedge Accounting nun auch bei Absicherung von Komponenten möglich

Darüber hinaus ist es Unternehmen künftig nach IFRS 9 erlaubt, auch einzelne Komponenten aus Verträgen in das Hedge Accounting aufzunehmen. So können sie nun beispielsweise den Materialzuschlag in Lieferverträgen oder die Ölpreisbindung in Gasverträgen alleine absichern. Bisher war dies nicht möglich. „Unternehmen können nun im weit größeren Umfang die wirtschaftlichen Absicherungen auch nach IFRS abbilden“, sagt Folker Trepte, Partner bei PwC: „Insbesondere das produzierende Gewerbe profitiert davon.“ KPMG-Spezialist Debus erwartet sogar eine deutliche Zunahme der Absicherung von Rohstoffpreisrisiken: „In der Vergangenheit haben viele Unternehmen dies unterlassen, weil Hedge Accounting nicht funktionierte.“

Negativ für die Unternehmen ist dagegen die Verschiebung des verpflichtenden Einführungstermins von IFRS 9. Dies war zunächst für den 1. Januar 2015 geplant. Nun will der IASB den neue Stichtag erst festgelegen, wenn die finale Version von IFRS 9 steht. Damit wird IFRS 9 nun voraussichtlich erst am 1. Januar 2017 in Kraft treten und für alle folgenden Geschäftsjahre gültig sein. „Für die Unternehmen in der EU ist diese Verschiebung im Hinblick auf Hedge Accounting unerfreulich“, sagt Trepte. Denn sie können die Erleichterungen erst in Anspruch nehmen, wenn das Endorsement durch die EU erfolgt. Sie wird allerdings nur den kompletten Standard und keine Teilaspekte billigen, Unternehmen müssen daher weiter warten.

backhaus[at]derTreasurer.de