KPMG-Studie: Messung von Rohstoffrisiken verbesserungswürdig

22.10.14 08:00

Hedging: Studie sieht Defizite bei Rohstoffabsicherung

Von Desiree Backhaus

Hedging von Rohstoffrisiken wird für Unternehmen immer wichtiger, zugleich gibt es laut einer noch unveröffentlichten Studie erhebliche Defizite bei der Absicherung: Fehlende Definitionen, Unzulänglichkeiten bei der Ermittlung von Rohstoffrisiken und komplizierte Zuständigkeiten erschweren das Hedging.

KPMG-Studie: Messung von Rohstoffrisiken verbesserungswürdig

Thinkstock / Getty Images

Der Ölpreis ist für viele Unternehmen ein wichtiger Kostenfaktor. Hedging von Rohstoffrisiken gewinnt an Bedeutung.

Die überwältigende Mehrheit der Unternehmen sichert Rohstoffrisiken mit Derivaten ab, bei der Messung und Steuerung gibt es in vielen Firmen allerdings noch Defizite. Das ist die Kernbotschaft einer noch unveröffentlichten Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und der Berliner Humboldt-Universität, deren Kurzfassung DerTreasurer jetzt exklusiv vorliegt.

91 Prozent der befragten 200 Unternehmen aus der DACH-Region sichern demnach ihre Rohstoffrisiken mit Derivaten ab. Besonders beliebt sind dabei Forwards und Swaps, Optionen und Futures setzen Unternehmen dagegen seltener ein. Wie viel ihres Exposures die Unternehmen absichern, haben die Autoren nicht abgefragt, wohl aber, wie die Sicherungsquote zustandekommt: Bei 60 Prozent der Befragten werden die Erwartungen der Risikomanager über zukünftige Rohstoffpreise dabei mit einbezogen, ein Viertel davon begrenzt die Sicherungsquote nicht durch ein Limitsystem. Dieses Ergebnis überrascht, da die Treasury-Abteilung bei der Absicherung des FX-Risikos oft genauen Vorgaben unterliegt.

Dass das Rohstoffmanagement bislang weniger professionalisiert ist als das Zins- und FX-Management, darauf deuten auch andere Studienergebnisse hin: Zwar hat die Mehrheit der Befragten ihre Rohstoffstrategie schriftlich festgehalten, jedoch haben 37 Prozent keine einheitliche Definition von Exposure und Rohstoffrisiko. Nur 21 Prozent nutzen Szenarioanalysen oder At-Risk-Kennzahlen, um Risiken zu messen.

Treasury bei Beurteilung des Rohstoffrisikos nicht involviert

Auch in der Zuständigkeit für das Rohstoffmanagement gibt es Defizite: Für den Abschluss der Derivate ist überwiegend das Treasury verantwortlich. Bei der Erhebung und der Beurteilung des Rohstoffrisikos sowie der Festlegung der Sicherungsstrategie ist das Treasury dagegen häufig nicht involviert.

Der Umfang der Absicherung könnte sich künftig erhöhen, meinen die Studienautoren und geben dafür zwei Argumente: Erstens fühlt sich rund die Hälfte der Befragten durch die komplexen Anforderungen an das Hedge Accounting unter IAS39 eingeschränkt. Der neue Bilanzierungsstandard IFRS9 verspricht hier Erleichterung. Zweitens erwartet die Mehrheit in den nächsten Jahren eine hohe Volalität an den Rohstoffmärkten – kein Unternehmen rechnet mit sinkenden Preisen. Die Notwendigkeit für eine Absicherung wird damit steigen.

Backhaus[at]derTreasurer.de