Sorge um europäische Banken

13.12.16 09:17

Kontrahentenrisiko rückt wieder in den Fokus der Treasurer

Von Desiree Backhaus

Faule Kredite in Italien, chronische Renditeschwäche in Deutschland und ein generelles Misstrauen an den Märkten: Deutsche Treasurer sorgen sich um Europas Banken. Das Kontrahentenrisiko steigt in ihrer Wahrnehmung deutlich.

SeanPavonePhoto/iStock/Thinkstock/Getty Images

Die Banken stehen unter Druck, Treasurer schauen mit Blick auf Kontrahentenrisiken genauer hin.

Corporate Treasurern bereitet die Entwicklung am europäischen Bankenmarkt zunehmend Sorge, wie eine aktuelle Umfrage der Beratung Deloitte unter 57 Treasurern belegt. Zwei Drittel der Befragten geben an, das Kontrahentenrisiko sei im vergangenen Jahr gestiegen. Da die meisten Treasurer ihre Banken anhand von externen Ratings und CDS-Spreads bewerten, ist diese Wahrnehmung nicht überraschend: Beide Indikatoren haben sich zuletzt bei vielen Banken verschlechtert.

Erstaunlich ist aber schon, dass Kontrahentenrisiken damit im Vergleich zu anderen Risiken, deren Management in der Treasury-Abteilung angesiedelt ist, am stärksten zugelegt haben: Steigende FX-Risiken nehmen 57 Prozent der Befragten wahr. Bei Liquiditäts-, Rohstoffpreis-, Zins- und Energiepreisrisiken sieht die Mehrheit dagegen keine Veränderung beziehungsweise sogar ein verringertes Risiko.

Emir, Mifid II und IFRS 9 beschäftigen Treasurer

Zugleich wird das Risikomanagement deutscher Treasury-Abteilungen durch die steigenden gesetzlichen Anforderungen immer komplexer. Unter den diversen Regulierungen gilt Emir nach wie vor als am relevantesten: Obwohl bereits umgesetzt, sehen 58 Prozent der Umfrageteilnehmer auch zukünftig einen starken Einfluss der Derivate-Verordnung auf ihre Arbeit. Die Studienautoren führen dies unter anderem darauf zurück, dass Unternehmen weiterhin daran arbeiten, Emir-Prozesse zu automatisieren. Andererseits steht aber auch die Überarbeitung der Verordnung an.

Knapp die Hälfte der von Deloitte befragten Treasurer rechnet zudem mit einem starken Einfluss durch die 2018 in Kraft tretende Finanzmarktregulierung Mifid II und durch den neuen Bilanzierungsstandard IFRS 9, der unter anderem das Hedge Accounting verändert. Unklar ist der Mehrheit der Befragten dagegen, welchen Einfluss die geplanten Steuerregulierungen BEPS und US-Rule 385, die Marktmissbrauchsrichtlinie (Mad II/Mar) und die EU-Benchmarkregulierung auf das Treasury haben werden. Viele haben sich mit diesen Regularien noch nicht befasst.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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