Exportkreditversicherungen nach Russland und Ukraine werden rar

01.04.14 09:41

Krim-Krise bremst Export

Von Sebastian Kapp

Deutsche Unternehmen spüren schon jetzt in ihren Ukraine- und Russland-Geschäften die ökonomischen Folgen der Krim-Krise, vor allem bei der Exportfinanzierung. Experten von Banken und Versicherungen mahnen zur Vorsicht.

Mit den Protesten auf dem Maidan nahm die Krise in der Ukraine ihren Lauf.

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Mit den Protesten auf dem Maidan nahm die Krise in der Ukraine ihren Lauf.

Die Krim-Krise beeinflusst die Exportfinanzierung deutscher Unternehmen – auch ohne harte Sanktionen des Westens. „Wir hatten große Schwierigkeiten, ein Akkreditiv mit Bestätigungsauftrag aus der Ukraine in Deutschland bestätigt zu bekommen“, erzählt Harald Reiser, Leiter der Treasury-Abteilung bei Brückner. Die Kosten der Bestätigung lagen für Brückner zwischen 3 und 5 Prozent. „In dieser Höhe hatten wir nicht kalkuliert“, fügt Reiser hinzu. Jetzt muss sich der bayerische Maschinen- und Anlagenproduzent überlegen, welche Alternativen es gibt und ob das Geschäft überhaupt abgeschlossen werden kann. Das Problem, auch für Brückner: Westliche Banken misstrauen immer stärker den ukrainischen Banken, da sie schon jetzt von Sanktionen betroffen sein könnten.

„Soweit wir das verfolgen können, werden derzeit in der Ukraine nur wenige Geschäfte abgeschlossen“, sagt Ralph Lerch, Leiter Exportfinanzierung der Commerzbank. Auch bei Warenkreditversicherungen ist der Ausblick für die Ukraine verhalten: „Hier geht es momentan nur noch um die Frage: Deckung ja oder nein?“, berichtet Jochen Körner, Geschäftsführer des Industrieversicherungsmaklers Marsh in Deutschland. Gerade die privaten Versicherer ziehen sich immer stärker aus dem Markt zurück, Versicherungen gegen politisches Risiko sind in der Ukraine laut Körner „schwierig bis gar nicht mehr“ möglich. Allein die staatliche Exportkreditversicherung scheint noch lieferfähig. Doch mit einem Limit von 25 Millionen Euro sind Hermesdeckungen für Großaufträge keine Alternative.

„Ich würde spätestens jetzt meine Notfallpläne aus der Schublade holen und diese auf Tauglichkeit prüfen.“

Auch gegenüber Russland regiert das Misstrauen: „Rheinzink liefert in Russland grundsätzlich nur gegen Vorkasse“, erklärt der kaufmännische Geschäftsführer des Metallverarbeiters, Michael Krächter. Das mache der Mittelständler aus Datteln bereits seit Jahren so, habe aber auch pragmatische Gründe: „Es finden sich einfach kaum noch Versicherungen, die unsere Kunden versichern würden.“ Das sichere Zahlen per Vorkasse ist auch bei Brückner in osteuropäischen Staaten wie der Ukraine und Weißrussland beliebt, selbst wenn das die Zahl potentieller Handelspartner eingrenzt. Zwar scheinen die Konditionen für Exportfinanzierungen noch relativ stabil, wie es aus Bankenkreisen heißt, doch die Branche ist nervös, langfristige Prognosen mag momentan niemand gerne abgeben – der Prozess ist im Fluss.

Ähnlich zurückhaltend ist der Versicherungsmakler Marsh. Zwar seien für Russland sowohl Versicherungen gegen politische Risiken als auch Warenkreditversicherungen noch möglich – sogar mit unveränderten Limits. Dennoch mahnt Körner zur Vorsicht: „Ich würde spätestens jetzt meine Notfallpläne aus der Schublade holen und diese auf Tauglichkeit prüfen.“ In den Treasury-Abteilungen der dort agierenden Konzerne sieht man das ähnlich. Angeblich steigt die Zahl der Firmen, die liquide Mittel ihrer russischen Töchter außer Landes bringen.

Kapp[at]derTreasurer.de