Kommentar

28.11.16 09:20

Lehre aus 2016: Erwarte das Unerwartete

Von Markus Dentz

Die US-Wahl hat wieder viele Beobachter auf dem falschen Fuß erwischt. Das kommende Jahr könnte weitere Überraschungen bringen. Die derzeit herrschende Unsicherheit bietet Treasury-Abteilungen aber auch eine Chance.

Ein Kommentar von Markus Dentz, Chefredakteur von DerTreasurer

Sascha Duis

Ein Kommentar von Markus Dentz, Chefredakteur von DerTreasurer

Brexit-Feeling am 9. November: In den frühen Morgenstunden des Mittwochs kristallisierte sich heraus, dass Donald Trump auf Siegeskurs ist. Inzwischen steht fest, dass der umstrittene Kandidat der 45. US-Präsident wird. Zunächst reagierten die Börsen heftig auf die Nachrichten aus Washington. Mittlerweile hat sich der erste Wirbel gelegt. Der deutsche Leitindex Dax ist eine Woche nach dem Ergebnis auf Jahreshoch. Auch die Flucht in die Sicherheit ist überschaubar, was sich beispielsweise am fallenden Goldpreis zeigt.

Nach dem ersten Schock gibt es inzwischen auch verhalten optimistische Marktkommentare: Trumps Agenda könne das Wachstum durch fiskalische Investitionen, etwa in Infrastrukturmaßnahmen, sowie Deregulierungsmaßnahmen stimulieren. Weiterhin bleibt allerdings im Dunkeln, was die Welt von einem Präsidenten Trump zu erwarten hat.

Unsicherheit herrscht auch hinsichtlich des Brexits. Selbst beinahe fünf Monate nach dem knappen Votum der Briten ist relativ offen, wie es weitergehen wird. Zwar betont Premierministerin Theresa May immer wieder den Willen zum Austritt. Doch darf nach der Auffassung des High Court das Parlament ein Wörtchen mitreden. Wie die Entscheidung letztlich ausfällt - noch unklar. Das spiegelt auch eine Umfrage unter Treasurern im Rahmen des aktuellen Treasurer-Panels wider: Immerhin 22 Prozent der 108 Befragten konnten heute noch nicht abschätzen, ob das Votum Auswirkungen auf das eigene Unternehmen haben wird.

2017: Weitere Überraschungen bei anstehenden Wahlen möglich

Wenn es ein vorläufiges Fazit aus diesem Jahr gibt, dann vielleicht: Erwarte das Unerwartete. Dieses Leitmotiv dürfte sich auch 2017 fortsetzen. Bei den im kommenden Jahr anstehenden Wahlen könnte es weitere Überraschungen geben. Geht der Siegeszug euroskeptischer Parteien weiter, ist die Zukunft der EU und des Euros in Gefahr. Die Niederlande oder skandinavische Länder könnten als Nettozahler dem Vorbild Großbritanniens folgen.

Die Unsicherheit bietet für Treasury-Abteilungen die Chance, sich intern zu profilieren: Transparenz in der Finanzabteilung wird dabei helfen, die Auswirkungen verschiedener Szenarien auf Währungen, Finanzierungen und Rohstoffe klarer zu machen.

Mit einem guten Überblick kann man auch in vermeintlich undurchsichtigen Situationen wichtige Entscheidungshilfen für das Top-Management geben - und damit den eigenen Wert steigern. Noch verhalten sich aber zu viele reaktiv. Jetzt wäre es an der Zeit, diese Haltung noch einmal zu hinterfragen.

Dentz[at]derTreasurer.de

Bleiben Sie mit unserer Themenseite „Geopolitische Risiken“ über die Risiken dieser Welt auf dem Laufenden. Denn auch die Treasury-Abteilungen bekommen die Folgen zu spüren: Banken ziehen sich zurück, der Zahlungsverkehr wird erschwert sowie Handelsfinanzierung und Absicherung werden teurer.