Weniger Lieferantenkredite

16.11.16 08:20

Risikomanagement: Reform des Insolvenzrechts stockt

Von Desiree Backhaus

Die Bundesregierung will das Insolvenzrecht neu regeln, doch die Reform stockt. Die Angst vor Anfechtungsklagen beeinflusst auch das Risikomanagement von Lieferanten.

Felipe Dupouy/Digital Vision/Thinkstock/Getty Images

Viele Lieferanten bringt die Praxis der Insolvenzanfechtung in Bedrängnis.

Die Reform des Insolvenzrechts, die unter anderem die Insolvenzanfechtung neu regeln soll, stockt. Diese Praxis ist vielen Unternehmen ein Dorn im Auge: „In Gesprächen mit Lieferanten stellen wir fest, dass sie vorsichtiger geworden sind, wenn es um die Themen Stundung und Ratenzahlung geht“, sagt Thomas Langen vom Kreditversicherer Atradius. Derzeit reichen schleppende Zahlungen und Mahnungen den Gerichten häufig als Beweis aus, der Lieferant habe von der drohenden Insolvenz seines Kunden gewusst und durch die Einforderung des Geldes andere Gläubiger vorsätzlich benachteiligt. In diesen Fällen muss der Lieferant das Geld zurückzahlen.

Lobbyverband warnt: Insolvenzrecht hemmt Lieferantenkredite

Die Bundesregierung hat vor über einem Jahr einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Rechtssicherheit für Lieferanten und andere Gläubiger insolvenzbedrohter Unternehmen schaffen soll. Doch der Prozess stockt, weil sich die Bundesministerien für Finanzen und Justiz über einen Teil des Reformpakets streiten. Der Bundesverband Credit Management e.V. (BvCM) hat sich jetzt in einem offenen Brief an die Ministerien gewandt. Darin warnt Chef-Lobbyist Lutz Paschen vor einem bereits spürbaren Rückgang der Vergabe von Lieferantenkrediten.

Der Gesetzentwurf sieht vor, die Anfechtungsfrist von zehn auf vier Jahre zu verkürzen. Zudem wird die Beweislast umgekehrt: Zahlungserleichterungen wie Ratenzahlungen sollen allein nicht mehr ausreichen, um eine Anfechtung zu begründen. Allerdings rechnen Experten nicht damit, dass die Reform die Anfechtungspraxis signifikant verändern würde.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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