Mangelnde Automatisierung ist ein Problem

23.03.16 08:34

Treasurer betreiben Währungsmanagement häufig ohne TMS

Von Desiree Backhaus

Im Treasury ist alles automatisiert? Von wegen. Im Währungsmanagement laufen auch bei Großkonzernen viele Prozesse noch manuell ab, wie jetzt eine Studie von Deloitte ergeben hat. Das ist problematisch.

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Einige Unternehmen wissen nicht wie groß ihr Währungsrisiko ist. Problem ist auch die mangelnde Automatisierung.

Im Währungsmanagement haben Treasury-Abteilungen noch viel Luft nach oben, wenn es um Automatisierung und Digitalisierung geht. Das geht aus einer Umfrage hervor, die die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte unter 133 Unternehmen weltweit durchgeführt hat. 56 Prozent der befragten Treasurer räumt demnach ein, Schwierigkeiten bei der korrekten Identifizierung des Fremdwährungsrisikos zu haben. Der Mangel an Transparenz und verlässlichen FX-Exposure-Prognosen ist damit die größte Herausforderung im Währungsmanagement.

Deloitte führt dies vor allem auf wenig automatisierte Prozesse zurück: So geben 62 Prozent der Befragten an, dass die operativen Einheiten ihnen manuell erstellte Vorhersagen, meist in Excel, übermitteln. Insgesamt greift jeder dritte Befragte auf drei oder mehr Quellen zurück, um das Fremdwährungsrisiko zu quantifizieren. Werden diese manuell zusammengeführt, entstehen leicht Fehler.

Dennoch nutzen 44 Prozent der befragten Unternehmen kein Treasury-Management-System für ihr Währungsrisikomanagement. Auch diejenigen, die ein TMS im Einsatz haben, schließen darüber vor allem Hedging-Transaktionen ab und erfassen diese. Die Ermittlung des FX-Risikos findet dagegen häufig außerhalb des Systems statt, ebenso wie Analysen.

Großkonzerne beschäftigen sechs Mitarbeiter im Währungsmanagement

Die mangelnde Automatisierung erstaunt umso mehr, da knapp zwei Drittel der befragten Konzerne zwischen 1 und 10 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz macht, der Rest sogar mehr. Diese Unternehmen sollten ein besonderes Interesse an der Automatisierung haben, weil mit zunehmender Größe auch die Komplexität im Währungsmanagement steigt. Jedes zweite befragte Unternehmen ist in mehr als zwanzig Ländern tätig. Zudem stehen Großkonzerne auch mehr Ressourcen zur Verfügung: Im Schnitt managen immerhin 6,3 Mitarbeiter das FX-Risiko, ohne Mitarbeiter in den Tochtergesellschaften dabei zu berücksichtigen.

Ebenfalls interessant: Im Rahmen des Management-Reportings übermitteln mehr als zwei Drittel der Befragten nur Basis-Informationen wie die Höhe des FX-Risikos, die gehedgten Positionen sowie Währungsgewinne und -verluste. Nicht einmal in jedem sechsten befragten Unternehmen erhalten der CFO und das Risikokomitee, das in aller Regel die Absicherungsstrategie bestimmt, weitergehende Informationen. Dazu gehören etwa Szenario-Analysen, welchen Einfluss Wechselkursveränderungen auf wichtige KPIs haben.

Backhaus[at]derTreasurer.de