Working Capital Management der Großkonzerne zeigt Folgen

24.04.15 08:20

Zahlungsmoral in Deutschland sinkt drastisch

Von Desiree Backhaus

Die Zahlungsmoral deutscher Unternehmen hat in den vergangenen zwei Jahren rapide verschlechtert. Das geht aus einer Umfrage des Kreditversicherers Atradius hervor. Schuld sind auch die Großkonzerne.

Immer weniger deutsche Unternehmen zahlen pünktlich.

Kirillm/iStock/Thinkstock/Getty Images

Immer weniger deutsche Unternehmen zahlen pünktlich.

Deutsche Unternehmen haben aber immer häufiger mit Zahlungsverzügen bei ihren Geschäftskunden zu kämpfen. Das zeigt eine aktuelle Befragung des Kreditversicherers Atradius unter 3.000 Unternehmen aus 13 Ländern Europas. Unter den deutschen Firmenkunden hat sich die Zahlungsmoral demnach besonders drastisch verschlechtert: Durchschnittlich wurden im ersten Quartal 2015 41,6 Prozent aller inländischen B2B-Forderungen zu spät bezahlt. Das sind 16 Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren und entspricht dem höchsten Anstieg aller untersuchten Länder.

Michael Karrenberg, Regional Director Risk Services bei Atradius, erklärt diesen Anstieg mit der zunehmenden Neigung von Großkonzernen, ihr Working Capital zu optimieren: „Der Lieferant stimmt gezwungenermaßen den neuen Zahlungskonditionen zu, weil er seine Kunden halten will.“ In Deutschland scheint dies besonders ausgeprägt: 48 Prozent der deutschen Befragten geben das Ausnutzen von Zahlungszielen als Grund für Zahlungsverzug an – nur knapp hinter Liquiditätsproblemen der Kunden. Der Schnitt in Westeuropa liegt bei 34 Prozent.

Exporteure kämpfen mit verspäteten Zahlungen

Unter den ausländischen Geschäftskunden deutscher Unternehmen zahlen 39,2 Prozent ihre Rechnungen verspätet. Das sind 5,7 Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren. „Deutsche Exporteure ersetzen die Märkte, in denen sie aktuell Schwierigkeiten haben – wie Russland, Ukraine oder auch China – durch alternative Märke wie etwa Indonesien“ sagt Karrenberg. „Die deutschen Exporteure haben hier weniger Erfahrung mit den ortsansässigen Geschäftspartnern und erleben dadurch häufiger auch negative Überraschungen.“ Außerdem würden sie vermehrt ausländische Servicegesellschaften einschalten, die für sie vor Ort agieren, was die Zahlungsziele automatisch verlängere.

Die Verschlechterung der Zahlungsmoral spiegelt sich auch in der gestiegenen Forderungslaufzeit deutscher Unternehmen wieder: Die Days Sales Outstanding (DSO) beträgt inzwischen 30 Tage, also acht Tage länger als noch vor zwei Jahren. Im europäischen Vergleich steht Deutschland dennoch gut dar: In Italien und Griechenland sind 50 bzw. 45 Prozent der Rechnungen überfällig – obwohl die Unternehmen ihren Kunden schon längere Zahlungsfristen einräumen als deutsche Unternehmen. Schweden verfügt mit nur 20 Prozent verspäteten Forderungen traditionell über die beste Zahlungsmoral der befragten Länder.

Backhaus[at]derTreasurer.de