Swapsätze drehen nach oben

01.07.13 01:24

Zinsrisiken rücken ins Blickfeld

Von Andreas Knoch

Die Anzeichen mehren sich, dass die Zinswende an den Kapitalmärkten Fakt statt Fiktion ist. Vor allem auf der Anlageseite zieht die Nachfrage nach Sicherungen bereits deutlich an.

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Die Swapsätze haben zuletzt deutlich angezogen.

Angesichts deutlich steigender Renditen in den vergangenen Tagen rücken Zinsänderungsrisiken wieder in den Fokus von Marktteilnehmern. Auch wenn das allgemeine Zinsniveau aus Finanzierungsperspektive für viele Unternehmen noch immer sehr komfortabel ist, sind die Swapsätze im Zehnjahresbereich seit Anfang Mai bereits um beachtliche 30 Basispunkte gestiegen. Marktexperten erwarten am kurzen Ende zwar auf absehbare Zeit niedrige Zinsen, am langen Ende dürften die Sätze allerdings deutlich anziehen – vor allem dann, wenn die Gedankenspiele der Notenbanken, sich aus der ultralockeren Geldpolitik zu verabschieden, in die Tat umgesetzt werden.

„Eines unserer Modelle im Overlay-Portfolio hat bereits von short auf long gedreht. Entsprechend haben wir über den Abschluss eines Payer-Swaps eine Sicherungsquote von 33 Prozent aufgebaut“, sagt Jasper Düx, Abteilungsleiter Overlay Management bei Berenberg. „Fairerweise muss man aber sagen, dass wir – trotz des jüngsten Anstiegs der Swapsätze – bisher noch keine verstärkte Nachfrage von Treasurern nach Zinssicherungen feststellen können.“ Ein Blick in die Geschäftsberichte publizitätspflichtiger Unternehmen zeigt den Grund: Viele Treasurer haben in den vergangenen Monaten refinanziert und sich das günstige Zinsniveau langfristig festgeschrieben.

Handlungsdruck auf der Anlageseite

Auf der Anlageseite sieht die Situation dagegen ganz anders aus. „Vor allem bei langen Durationen sind die Kurse in den vergangenen Wochen bereits unter Druck gekommen. Viele Investoren sind auf der Suche nach Möglichkeiten, die zum Teil deutlichen Buchgewinne ihrer Rentenportfolien abzusichern“, berichtet Düx. Berenberg steuert Zinsrisiken losgelöst vom zugrundeliegenden Basisportfolio in separaten Overlay Portfolios anhand quantitativer Modelle. Umgesetzt werden die Sicherungsstrategien mit Zinsswaps, die in Abhängigkeit der Modellsignale eingegangen bzw. aufgelöst werden.

Vor allem in Phasen starker Trends spielt das Overlay Management seine Vorteile aus, in Seitwärtsphasen kostet es dagegen Performance. Sinn mache das Overlay Management auch bei der Steuerung von Prolongationsrisiken, so Düx. Mit dem Abschluss von Forwardswaps müsse man zwar die teurere Terminkurve bezahlen. Bei tatsächlich steigenden Zinsen würde das Spotmarktniveau zum Zeitpunkt der Refinanzierung allerdings deutlich über diesem Niveau liegen.

Knoch[at]derTreasurer.de