Drei Versuche, drei Anbieter

20.09.17 11:00

Brita führt ein Treasury-Management-System ein

Von Sabine Paulus

Das Wasserfilterhersteller Brita ist mit Excel und seinen vielen Insellösungen an Grenzen gestoßen. Ein professionelles Treasury-Management-System musste her. Treasury-Chef Matthias Hönert und Projektleiter Thomas Imhof haben mit DerTreasurer über die Systemeinführung gesprochen.

Das Brita-Treasury ist systemseitig den nächsten Schritt gegangen. Projektleiter Thomas Imhof (links) und Treasury-Chef Matthias Hönnert erklären im Interview mit DerTreasurer, warum es Zeit für ein professionelles Treasury-Management-System war.

Brita

Das Brita-Treasury ist systemseitig den nächsten Schritt gegangen. Projektleiter Thomas Imhof (links) und Treasury-Chef Matthias Hönnert erklären im Interview mit DerTreasurer, warum es Zeit für ein professionelles Treasury-Management-System war.

Schnelles Wachstum, mehr Länder, neue Themen für das Treasury: Der Wasserfilterhersteller Brita (Gesamtumsatz 2016: 469 Millionen Euro) hat eine Größe und Komplexität erreicht, die den Einsatz eines professionellen Treasury-Management-Systems erforderlich macht. „Wir sind mit Excel und unseren vielen Insellösungen schlicht an Grenzen gestoßen“, sagt Matthias Hönert, der seit 2009 die Treasury-Abteilung des Familienunternehmens leitet.

Eine der größten Baustellen war die Anlagestrategie, da die liquiden Mittel des Familienunternehmens trotz des stetigen Wachstums in etwa um das Dreifache größer sind als die Verbindlichkeiten: Vor der Finanz- und Euro-Krise nutzte Brita Termingelder und Bonds, jetzt investieren die Hessen unter anderem in ETFs und Dual-Currency-Anleihen.

„Um diese Produkte abbilden zu können, brauchen wir eine professionelle Software“, sagt der bisherige Treasury-Manager Thomas Imhof, der die Einführung des Treasury-Management-Systems als Projektleiter betreute und nach Abschluss des Projekts nun ins Accounting gewechselt ist und sich hier um die Harmonisierung, Digitalisierung und Optimierung gruppenweiter Finance-Geschäftsprozesse und -strukturen kümmert.

Brita trifft strategische Entscheidung für SAP

Seit 2008 hat Brita insgesamt drei Versuche unternommen, eine Treasury-Software einzuführen. Im vergangenen Jahr fiel die endgültige Wahl dann auf SAP – eine strategische Entscheidung, die über das Treasury hinausging: Der Wasserfilterhersteller hatte 2007 konzernweit das ERP-System des deutschen Softwareriesen eingeführt. Deshalb sollte eine integrierte Lösung her.

Aufregende Monate folgten für Treasury-Chef Hönert, Projektleiter Imhof und das ganze Treasury-Team. Größte Herausforderung war – wie so oft bei Treasury-Management-System-Einführungen – die Steuerung der Ressourcen. „Unsere IT-Abteilung war der Flaschenhals“, sagt Imhof. „Denn dort war unser Projekt nur eines von vielen.“ Erst für Februar dieses Jahres konnte die Brita-IT einen Mitarbeiter zusichern.

Deshalb arbeitete das Brita-Treasury zunächst in einer sogenannten „Sandbox“. Die Software wird dabei vom Rest des Systems abgeschirmt, quasi in den „Sandkasten“ gesetzt, um ihre Wirkung aufzuzeichnen, ohne dass das alte System beeinflusst wird. Die Beratung Bearing Point, die die Implementierung begleitete, konnte die Daten erst zu Beginn dieses Jahres in die reale Umgebung übertragen.

Systemseitiger Ausbau könnte schon 2018 kommen

Inzwischen ist das Mammutprojekt weitestgehend abgeschlossen. Seit Mai sind die SAP-Module Cash Management und Treasury & Risk Management in Deutschland im Einsatz, der weltweite Roll-out im Cash Management soll bald folgen. Treasury-Chef Hönert ist zufrieden: „Unser Ziel, durch eine gemeinsame Datenquelle unsere Prozesse zu verschlanken, haben wir definitiv erreicht.“ Manuelle Eingriffe seien kaum noch nötig, was die Fehleranfälligkeit deutlich senke.

Doch das Ende ist noch nicht erreicht: Ein systemseitiger Ausbau zur Berechnung der Kennzahlen und des FX-Exposures, das Hönert und sein Team nach wie vor in Excel vornehmen, ist gegebenenfalls schon für das kommende Jahr geplant.

Paulus[at]derTreasurer.de

Warum Brita drei Anläufe gebraucht hat, ein professionelles Treasury-Management-System einzuführen, erfahren Sie in der kommenden Printausgabe von DerTreasurer, die am Freitag, den 22. September erscheinen wird. Sie können sich unter folgendem Link registrieren, um die Zeitschrift per Post oder als E-Paper zu erhalten.

Auf unserer Themenseite „Treasurer im Interview“ erfahren Sie, welche Projekte derzeit die Treasury-Chefs im deutschsprachigen Raum beschäftigen.