Reaktion auf zunehmende Digitalisierung

29.09.15 09:00

Schafft sich das Treasury gerade selbst ab?

Von Markus Dentz

Die Digitalisierung schreitet voran und wir auch in Zukunft zunehmen. Wie reagiert das Treasury?

Das Ressort Treasury ist in Deutschland in den vergangenen Jahren richtig aufgeblüht. Katalysatoren für diese Entwicklung waren in der Vergangenheit häufig (Unternehmens-) Krisen. Mit dem Platzen der New-Economy-Blase Anfang der 2000er Jahre wurde der Wert eines soliden Cash- und Finanzmanagements offenbar, der vielen Start-ups fehlte. Besonders aber die Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2008 brachte dem Treasury große Aufmerksamkeit ein. Nach Jahren des üppigen Kreditwachstums galt auf einmal wieder die Devise „Cash is King“. Treasurer waren in der Liquiditätssteuerung gefragt, als viele Unternehmen um das nackte Überleben kämpften.

Seither war immer von einem Bedeutungsgewinn des Treasury die Rede. Doch das muss keine Einbahnstraße sein: Finanzierungen sind für die meisten Unternehmen kein Engpass mehr. Im Währungsmanagement herrscht große Skepsis, ob Einzelmeinungen überhaupt einen Unterschied machen können – viele setzen verstärkt auf regelbasierte Mechanismen, um Schwankungen zu glätten. In alle Treasury-Bereiche hält zudem ein hoher Automatisierungsgrad Einzug. Etablierte Treasury-Abteilungen wurden deshalb personell selten ausgebaut – selbst dann nicht, wenn Unternehmen durch M&A-Deals stark gewachsen sind. Durch weitere Rationalisierungen und Straight-through Processing könnten künftig Stellen wegfallen, die verbleibenden Aufgaben von anderen Abteilungen übernommen werden – besonders das Back Office und Teile des Middle Office sind gefährdet. Schafft sich das Treasury mittelfristig also selbst ab?

Treasurer noch relativ entspannt

Noch reagieren Treasurer relativ entspannt auf diese Frage. Sie glauben nicht daran, überflüssig zu werden. Der Fokus ändere sich aber weg von abwicklungsbezogenen Tätigkeiten hin zu mehr Analyse und Beratung des Vorstands. Das impliziert aber auch, dass künftig vielfach andere Skills gefragt sein werden als heute. Wer wirklich ein guter Berater des CFOs sein möchte, sollte auch in Themengebiete wie Bilanzierung und Controlling Einblick haben. Das kann schon heute nicht schaden, ist dennoch oft wenig oder gar nicht vorhanden.

Dentz[at]derTreasurer.de