Firmen rechnen mit deutlich wachsender Bedeutung des Renminbi

15.08.13 08:36

Deutsche Unternehmen nutzen Renminbi zurückhaltend

Von Sabine Paulus

China gilt als eine der wichtigsten Wachstumsregionen der Welt – besonders für deutsche Exporteure. Dennoch scheuen viele sich noch, ihr Geschäft in Renminbi abzuwickeln.

Deutsche Unternehmen nutzen Renminbi zurückhaltend

iStock / Thinkstock / Getty Images

Viele deutsche Unternehmen scheuen sich, ihr China-Geschäft in Renminbi abzuwickeln.

Viele Unternehmen sehen in China den Ort, um weitere Wachstumsraten generieren zu können. Für den Autobauer Volkswagen ist das Reich der Mitte inzwischen nicht nur der größte Einzelmarkt, auch die größte Wachstumsdynamik stammt von dort. Bis 2015 wollen die Joint-Venture-Gesellschaften von Volkswagen in China rund 9,8 Milliarden Euro in neue Werke und Produkte investieren. Diese Pläne haben auch Auswirkungen auf die Nutzung der chinesischen Währung bei Volkswagen. Bis spätestens 2015 soll der Renminbi zur wichtigsten Fremdwährung im Konzern werden.

Das gilt aber nicht für viele deutsche Unternehmen. Laut einer im Auftrag der Großbank HSBC durchgeführten Umfrage unter 711 international agierenden Unternehmen aus sieben Ländern nutzen lediglich 9 Prozent der befragten deutschen Unternehmen den Renminbi im grenzüberschreitenden Geschäft mit China. Damit nutzen deutsche Firmen den Renminbi seltener als beispielsweise britische Unternehmen (11 Prozent). Mehr als drei Viertel aller 128 Renminbi-Nutzer verwenden die chinesische Währung für konzerninterne Transaktionen, rund die Hälfte aber auch für Geschäfte mit Dritten, wobei Im- und Exporte (68 Prozent bzw. 55 Prozent) überwiegen.

Lanxess und Messer Group wickeln Geschäfte in China in Renminbi ab

Der deutsche Industriegasehersteller Messer Group beispielsweise nutzt den Renminbi in China sowohl für konzerninterne Geschäfte als auch für Geschäfte mit Dritten. Allerdings ist das Industriegasegeschäft ein lokales Geschäft, weshalb die Messer Group die produzierten Gase nur in einem Radius von 150 bis 200 Kilometer rund um die Produktionsanlagen vertreibt. „Export findet nur in geringem Maß und außerhalb Chinas für uns überhaupt nicht statt“, sagt Markus Müller, Group Treasurer der Messer Group. Deshalb sei der Renminbi für die Messer Group in China eine reine Inlandswährung. Beim Spezialchemiekonzern Lanxess ist der Fall anders gelagert: Das DAX-Unternehmen verwendet die chinesische Währung bei Geschäften mit Dritten ebenfalls nur innerhalb Chinas. „Konzernintern nutzen wir den Renminbi auch grenzüberschreitend, derzeit aber nur im Rahmen eines Pilotprojektes“, sagt Christoph Koch, Leiter Treasury von Lanxess.

Abgewickeltes Geschäft in Renminbi wird steigen

Im Zuge der Wachstumsstrategien vieler Unternehmen in China verwundert es zudem nicht, dass auch das in Renminbi abgewickelt Geschäft zumindest bei einigen weiter steigen wird. Der HSBC-Studie zufolge glaubt rund die Hälfte der befragten Unternehmen zudem, dass ihr in Renminbi abgewickeltes Geschäft noch in diesem Jahr wachsen wird, um mehr als 10 Prozent, glaubt sogar ein Viertel. Innerhalb der nächsten fünf Jahre erwartet die Mehrheit von fast drei Vierteln der Befragten ein Wachstum ihres Geschäfts, wobei 27 Prozent einen Anstieg von über 20 Prozent annimmt.

Auch Lanxess-Treasurer Koch rechnet in diesem Jahr durch die Ausweitung der konzerninternen Renminbi-Fakturierung mit einem leichten Anstieg des Volumens. So soll es auch in den kommenden fünf Jahren weiter gehen. „Wir gehen nach positivem Abschluss der Pilotphase von einem weiterem Wachstum im grenzüberschreitenden Geschäft aus“, sagt Koch. Messer-Treasurer Müller ist ebenfalls davon überzeugt, dass das in Renminbi abgewickelte Geschäft im Rahmen der Umsatzsteigerung der Messer Group mitwachsen wird. „In diesem Jahr rechnen wir mit einer Steigerung um 6,4 Prozent, in den nächsten fünf Jahren sogar mit einer Steigerung um circa 60 Prozent“, sagt Müller zu Der Treasurer.

Regulierung und schwierige Prozesse verhindern breite Renminbi-Nutzung

Die Nutzung der chinesischen Währung kann für Unternehmen durchaus Vorteile haben. Durch die Abwicklung in Renminbi über die Landesgrenzen hinweg kann Lanxess beispielsweise eigenen Angaben zufolge sein Devisenexposure in Festlandchina optimieren und die Devisenrisiken in der Zentrale konzentrieren. „Zudem haben wir in der Zentrale derzeit bessere Hedgingmöglichkeiten als in China selbst“, erklärt Koch weiter. Manch ein Unternehmen verwendet den Renminbi auch auf Bitte ihrer Handelspartner oder um ihre Geschäftsprozesse zu vereinfachen.

Trotz der Vorteile scheuen sich viele Firmen, ihre Geschäfte in Renminbi abzuwickeln. Die Nichtanwender sehen der HSBC-Studie zufolge mehrheitlich keinen Vorteil für ihr eigenes Geschäft – oder haben dies noch gar nicht geprüft. Fast die Hälfte aller Nichtanwender glaubt zudem, dass ihre Geschäftspartner die Verwendung des Renminbi nicht wünschen, oder zieht die marktübliche Abwicklung über den Dollar vor. Weitere 40 Prozent verzichten auf den Renminbi aufgrund schwieriger Prozesse, 30 Prozent empfinden Regulierungsaspekte als Hindernis. „Anders als bei frei konvertierbaren Währungen gibt es noch eine Reihe technischer Details, die die Abwicklung auf Basis des Renminbi erschweren“, bestätigt Lanxess-Treasurer Koch. Doch das dürfte sich im Rahmen der zunehmenden Liberalisierung und Internationalisierung des Renminbi ändern. Das glaubt auch Messer-Treasurer Müller: „China als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und große Handelsnation braucht eine frei konvertierbare Währung. Dies ist auch das erklärte Ziel der Regierung. Auf dem Weg dorthin werden auch viele administrative und regulatorische Vorschriften fallen und damit wird sicher ein bedeutender Teil des Handels mit China in Renminbi abgewickelt werden“, ist der Messer-Treasurer überzeugt.

Nichtnutzung des Renminbi kann Wettbewerbsnachteil werden

Auf Unternehmen, die sich bei ihren China-Geschäften weiter gegen den Renminbi sperren, dürften allerdings in einiger Zeit neue Probleme zukommen. „Wir glauben, dass im externen Geschäftsverkehr in Zukunft die Renminbi-Fakturierung sowohl auf der Kunden- als auch auf Lieferantenseite nachhaltig stärker nachgefragt werden wird und dass Unternehmen, die darauf nicht vorbereitet sind, einen Wettbewerbsnachteil haben könnten“, vermutet Lanxess-Treasurer Koch.

Paulus[at]derTreasurer.de