Interview mit Lothar Meenen, Deutsche Bank

11.09.13 08:34

Deutsche Bank: „Sepa-ready ohne Krücken“

Von Desiree Backhaus

Die Sepa-Deadline naht und in der Öffentlichkeit entsteht zunehmend der Eindruck, dass es sich nicht mehr alle Unternehmen rechtzeitig schaffen können. Im Interview mit DerTreasurer hält Lothar Meenen von der Deutschen Bank dagegen - und warnt vor Konvertierungsangeboten.

Kein Grund zur Panik: Die Deutsche Bank glaubt noch daran, dass die Sepa-Umstellung rechtzeitig gelingen kann.

Deutsche Bank

Kein Grund zur Panik: Die Deutsche Bank glaubt noch daran, dass die Sepa-Umstellung rechtzeitig gelingen kann.

Lothar Meenen, Head of Trade Finance und Cash Management Deutschland bei der

Lothar Meenen, Head of Trade Finance und Cash Management Deutschland bei der

Die Deadline für die Sepa-Umstellung rückt näher, aber noch immer hinken manche Unternehmen hinterher. Einige Banken haben angekündigt, Konvertierungen anzubieten. Die Deutsche Bank gehört nicht dazu. Warum?
Wir sind der Meinung, dass Konvertierungslösungen nur Krücken sind. Und Krücken helfen Kranken zwar, wieder zu laufen. Doch sie bleiben langsamer als Gesunde, die Stolpergefahr ist höher. Unternehmen, die sich mit Konvertern behelfen, statt direkt auf IBAN, BIC und die neuen XML-Formate umzustellen, behindern sich selbst: Sie riskieren eine höhere Fehlerquote und damit möglicherweise hohe Kosten.

Inwiefern wird es teurer?
Einerseits geht es um die direkten Kosten der Rückabwicklung einer fehlerhaften Sepa-Zahlung. Noch schwerer wiegen aber die Folgeschäden, wenn Lieferanten oder Mitarbeiter ihr Geld nicht rechtzeitig erhalten. Wer übernimmt die Haftung, wenn eine Sepa-Zahlung wegen eines Konvertierungsfehlers falsch ausgeführt wird: die Bank, der IT-Dienstleister oder das Unternehmen? Unternehmen müssen das berücksichtigen.

Einige Unternehmen werden aber wohl die Sepa-Deadline reißen. Sie sind krank und brauchen die Krücke. Was passiert mit diesen Firmen?
Angst oder Unsicherheit, die im Moment in Teilen der Öffentlichkeit zu bemerken sind , wirken übertrieben: Viele Firmen sind nach unserer Beobachtung bereits sehr weit mit ihrer Umstellung oder auf einem guten Weg. Außerdem haben Banken nach wie vor genügend Beratungskapazitäten, um sie dabei zu unterstützen. Es gibt also keinen Grund zur Panik.

„Der Aufwand der Sepa-Umstellung ist nicht für alle Unternehmen immens“

Mit dieser Meinung steht die Deutsche Bank eher alleine da. Was macht Sie so optimistisch?
Die Sepa-Umstellung ist fraglos kein Selbstläufer. Doch der Aufwand ist nicht für alle Unternehmen immens. Gerade für kleinere Mittelständler, die nicht mit Lastschriften arbeiten, ist Sepa meist kein aufwendiges internes Projekt. Großkonzerne und Unternehmen, die massenhaft Lastschriften einziehen, sind dagegen häufig schon weit.

Also ist alles gut, und der Umstellung steht nichts im Wege?
Das kann man so pauschal sicher nicht sagen. Aber Unternehmen müssen verstehen, wie wichtig es ist, richtig Sepa-ready zu werden: Nur wer umstellt und sich nicht auf Konvertierungen verlässt, kann davon ausgehen, dass sein Zahlungsverkehr nach dem 1. Februar 2014 gut weiterlaufen wird.


backhaus[at]derTreasurer.de