Worauf Treasurer achten sollten

06.06.13 00:02

Sepa: Gebühren sinken weniger als erwartet

Von Desiree Backhaus

Mit der Einführung von Sepa sollen eigentlich die Gebühren sinken. Dies ist aber nicht unbedingt immer der Fall. Gerade bei nicht Sepa-konformen Zahlungen kann es teuer werden.

Wenn eine Zahlung die Sepa-Kriterien nicht vollständig erfüllt, greift das alte Pricing. Fehler können also teuer werden.

Thinkstock / Getty Images

Wenn eine Zahlung die Sepa-Kriterien nicht vollständig erfüllt, greift das alte Pricing. Fehler können also teuer werden.

Im Prinzip soll eine grenzüberschreitende Transaktion künftig so viel kosten wie eine Inlandszahlung, da sie durch die Vereinheitlichung des Euro-Zahlungsraums voll automatisiert verarbeitet werden kann. Das ist eine der zentralen Ideen von Sepa, und Banken werben gerne mit den enormen Einsparpotentialen der Umstellung. Aus einem Institut hört man, eine alte grenzüberschreitende Überweisung könne bis zu dreißigmal teurer als nach dem neuen Sepa-Pricing sein.

Das sei aber häufig nicht der Fall, meint Axel Goedecke von der Unternehmensberatung Horvath & Partners, der einige Firmen bei der Sepa-Umstellung beraten hat: „Viele Banken haben im Rahmen von Sepa neue Gebührenkonstruktionen eingeführt.“ So würde der Großteil der Institute eine recht hohe Gebühr für nicht Sepa-konforme Zahlungen erheben. Diese sogenannte Straight-Through-Processing-(STP)-Gebühr fällt etwa dann an, wenn Firmen im Zahlungsauftrag nicht die Option der Gebührenteilung, SHA (für share), ankreuzen, sondern OUR für Auftraggeber oder BEN (für beneficiary), also den Empfänger. In diesem Fall läuft die Zahlung nicht automatisch durch, die Bank muss nacharbeiten. „Dann erfüllt die Zahlung nicht die Sepa-Kriterien, und das alte Pricing greift“, bestätigt ein Banker gegenüber Der Treasurer. Unternehmen sollten also darauf achten, dass SHA in ihren E-Banking-Tools standardisiert angekreuzt ist.

Sepa: Mit Gebührentrick die Kosten decken

Zudem könne auch das Ausreizen von Valutatagen beobachtet werden, sagt Berater Goedecke: „Bei den meisten Banken in Deutschland ist eine Gutschrift der Zahlung am selben Tag (D+0) Marktstandard. Es ist jedoch immer noch üblich, die gesetzlich festgelegten D+1 auszureizen oder gar D+2 in die Verträge hineinzunehmen.“ Unternehmen, die Zahlungen schneller ausführen wollen, zahlen dann pro Transaktion ein paar Cent drauf. Je nach Höhe des Volumens können sich große Beträge summieren.

Diese „Gebührentricks“ kommen nicht von ungefähr: Auch die Banken mussten in den vergangenen Jahren enorme Kosten stemmen, um ihre IT-Systeme Sepa-fähig zu machen, gleichzeitig sinken die Einnahmen, wenn grenzüberschreitende Zahlungen billiger werden. „Das versuchen einige Banken nun über versteckte Preiserhöhungen auf uns Kunden umzuwälzen“, vermutet ein Treasurer, der anonym bleiben möchte. Die Frage ist, ob Banken sich dies bei der wachsenden Konkurrenz im Zahlungsverkehr langfristig leisten können.

Backhaus[at]derTreasurer.de