Banken sitzen zwischen den Stühlen beim Sepa-Mandat

26.09.13 08:35

Sepa-Rat bringt keine Klarheit bei der Online-Lastschrift

Von Desiree Backhaus

Der Sepa-Rat hat verkündet, dass der Lastschrifteinzug im Internet auch unter Sepa weiterhin möglich sein sollen. Regulatorisch würde dem nichts im Wege stehen. Einige Banken sehen dies anders. Für Treasurer geht die Ungewissheit deshalb weiter.

Nichts ist klar: Erste Onlinehändler nehmen bereits Abschied von der Sepa-Lastschrift.

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Nichts ist klar: Erste Onlinehändler nehmen bereits Abschied von der Sepa-Lastschrift.

Der deutsche Sepa-Rat, ein Zusammenschluss des Bundesfinanzministeriums und der Bundesbank, hat klargestellt, dass die gesetzlichen Sepa-Vorschriften nichts an der Möglichkeit ändern, Lastschriftmandate im Internet zu erteilen, an der gängigen Praxis müsse sich nichts ändern. „Dies ist ein wichtiges Signal für den deutschen Markt. Nun haben wir Klarheit bei der Nutzung der Lastschrift im Internethandel“, feiert Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, den Konsens.

Die meisten Banken sehen dies anders. Öffentlich will zwar keiner die Bundesbank und das Finanzministerium kritisieren, hinter vorgehaltener Hand finden sie dagegen klare Worte:  „Dieses Statement verkennt, dass Sepa eine europäische Regulierung ist“, sagt ein Cash-Management-Spezialist. „Es ist richtig, dass nach deutscher Gesetzeslage auch Mandate per E-Mail erteilt werden könnten, die Banken haben sich aber untereinander in den Sepa-Rulebooks dazu verpflichtet, dass entweder ein handschriftlich unterzeichnetes oder ein E-Mandat vorliegt.“ Das mache auch Sinn, denn das Vertrauen in die Lastschrift sei international noch nicht ausgeprägt.

Rewe verabschiedet sich wohl von Online-Lastschriften

Ein anderer Banker ergänzt: „Dieses Statement bringt keine Klarheit, im Gegenteil: Die rechtliche Unsicherheit, die es bisher bei Einzugsermächtigungen gibt, bleibt bestehen.“ Die Darlegungs- und Beweislast liegt im Reklamationsfall weiterhin beim Unternehmen. Künftig müssen sie  mit dem Risiko leben, dass ihre Lastschriftkunden Zahlungen bis zu 13 Monate später noch zurückgehen lassen, falls kein gültiges Mandat vorliegt. Wie bisher auch wird die Bank des Lastschrifteinreichers entscheiden, ob sie im Internet erteilte Mandate akzeptiert. Aufgrund der Unsicherheit hinsichtlich der Sepa-Rulebooks haben die meisten Banken daher noch keine entgültige Haltung.

So erlebt es auch Thomas Clemens, Geschäftsführer der Rewe International Finance: „In unseren Augen ist das Thema noch lange nicht befriedigend gelöst. Die Banken sind zum Teil nach wie vor sehr zurückhaltend.“ Der Lebensmittelhändler wird deshalb voraussichtlich die Sepa-Lastschrift zunächst nicht anbieten, wie andere Onlinehändler auch. Vor einigen Monaten hatte Rewe noch nach einer Lösung gesucht, nun scheint das Unternehmen die Hoffnung aufgegeben zu haben. „Was auch immer final kommt, es kommt definitiv zu spät. Bei allen betroffenen Corporates oder Providern ist die Zeit für die Etablierung passgenauer Zahlprozesse für die Lastschrift, die Sepa-compliant sind, im Onlinehandel kaum mehr möglich“, sagt Clemens.

backhaus[at]derTreasurer.de