Nachbericht zum Webinar von DerTreasurer

02.04.14 08:35

Sepa: Treasurer wollen jetzt Vorteile erzielen

Von Desiree Backhaus

Viele Unternehmen haben die Umstellung auf Sepa gestemmt. Aber nur für die wenigsten ist das Sepa-Projekt damit erledigt, wie aus einer Umfrage während eines Treasurer-Webinars hervorgeht. Die Treasurer wollen nun endlich die Vorteile im neuen Euro-Zahlungsverkehr erzielen.

Claus Wild, Sepa-Projektmanager bei Würth, sprach im Webinar von DerTreasurer über die Stellen, bei denen es nach der Umstellung noch hakt.

DerTreasurer

Claus Wild, Sepa-Projektmanager bei Würth, sprach im Webinar von DerTreasurer über die Stellen, bei denen es nach der Umstellung noch hakt.

„Ich darf nicht über Sepa schimpfen“ – ein Plakat mit dieser Aufschrift hing beim Schraubenhändler Würth an der Tür des Projektteams. „Selbstdisziplin muss sein“, erklärt Claus Wild, Sepa-Projektmanager bei dem Schraubenhersteller. Und zu dieser Selbstdisziplin musste sich Wild immer wieder zwingen. Denn er hat einige Punkte, über die er sich bei Sepa beschweren könnte, wie er im Rahmen eines Webinars von DerTreasurer vor knapp 100 Teilnehmern erzählte. Die Schwierigkeiten halten selbst nach der Sepa-Umstellung im Dezember und Januar an, obwohl sich das Unternehmen – mit Unterbrechungen – über sieben Jahre hinweg mit Sepa befasste.

Das größte Ärgernis für Würth: Nach der Umstellung auf das neue Euro-Zahlungsverkehrsverfahren ist die Verbuchungsquote bei dem Schraubenhersteller von 90 auf derzeit 88 Prozent gesunken. Denn der Verwendungszweck unter Sepa beträgt nun nicht mehr 300 sondern nur noch 140 Zeichen und kann deshalb nicht mehr vollständig angegeben werden. Würth muss nun jährlich einige tausend Belege mehr manuell verbuchen – das kostet Zeit und Geld. „Das ist ein riesiges Problem für uns“, räumte Wild im Webinar ein.

Würth: Zahlungsrückläufer wegen falscher IBAN

Eine weitere Schwierigkeit: Das Unternehmen kann zum Teil nicht identifizieren, ob die IBAN korrekt ist oder nicht: „Unser Kunde bestätigt uns die IBAN als richtig, unser internes Validierungstool in SAP gibt sie jedoch als falsch aus“, sagt der Sepa-Projektmanager. So gebe es immer noch einige Zahlungsrückläufer, weil die IBAN falsch sei: „Bei der Pflege der Stammdaten müssen wir noch stringenter vorgehen.“

Das Sepa-Projekt des Schraubenherstellers geht deshalb in die Verlängerung. Damit steht das Unternehmen nicht alleine: Lediglich 12 Prozent der während des Webinars befragten Treasurer wird das Sepa-Projekt mit dem Erreichen der regulatorischen Mindestanforderungen abschließen. Bei der überwiegenden Mehrheit läuft das Projekt weiter: um Altlasten zu beseitigen (10 Prozent), weil es noch offene Fragen gibt (37 Prozent) – aber vor allem auch, um im zweiten Schritt durch Konsolidierung oder Zentralisierung Vorteile zu erzielen (41 Prozent).

Umfrage: Treasurer sehen auch Vorteile von Sepa

Dabei sehen einige der Befragten durchaus bereits jetzt Vorteile durch die Umstellung: Immerhin 27 Prozent gaben an, dass die Gebühren im Auslandszahlungsverkehr gesunken sind, ein weiteres Viertel hat interne Prozesse verbessert. Allerdings konnten auch knapp 40 Prozent noch keinerlei Einsparungen durch Sepa erzielen. Zu denen zählt sich auch Wild: „So hart das vielleicht klingt, aber wir sehen noch keine Vorteile.“

Wie es gehen könnte, zeigt der Fall Dachser: Das Logistikunternehmen vereinheitlicht im Zuge der Sepa-Umstellung die Zahlungsprozesse, um mehr Standardisierung und Automatisierung im Cash Management zu erreichen. Dachser entschied sich für eine Lösung des Treasury Cloud Anbieters TIS: „Zuvor waren bei Dachser verschiedene E-Banking-Tools im Einsatz, sie waren nicht multibankfähig, zum Teil wurde noch über Fax-Begleitzettel gearbeitet“, sagt Jörg Wiemer, CEO bei TIS während des Webinars. Mit der TIS-Lösung gibt es nun einen Single Point of Contact: Die Komplexität der Bankanbindungen und Formate wurde so reduziert und die Sepa Compliance schnell sichergestellt. Außerdem gibt es nun einheitliche Unterschriftsberechtigungen über die verschiedenen Tochtergesellschaften von Dachser hinweg.

Nach dem Erreichen der regulatorischen Mindestanforderungen könnten nun auch andere Unternehmen auf diesen Zug aufspringen und ihre Systemlandschaft überarbeiten. Einige Umfragen deuten in diese Richtung.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Sie wollen mehr darüber erfahren, wie Würth die Probleme nach der Sepa-Umstellung angeht und welche Vorteile das neue Euro-Zahlungsverkehrssystem bringen kann? Dann sehen Sie sich das gesamte Webinar noch einmal im Videomitschnitt an.