Unternehmen haben weitere sechs Monate Zeit

09.01.14 15:00

Sepa verschoben: Bundesbank überrascht

Von Desiree Backhaus

Paukenschlag: Die EU-Kommission will die Deadline für die Sepa-Umstellung im Zahlungsverkehr um sechs Monate auf den 1. August 2014 verschieben. Der Rat und das Parlament müssen der verlängerten Übergangsfrist allerdings noch zustimmen. Die Bundesbank und Geschäftsbanken zeigten sich überrascht von der Entwicklung.

EU-Kommission: Die Unternehmen sollen mehr Zeit für ihre Sepa-Umstellung bekommen.

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EU-Kommission: Die Unternehmen sollen mehr Zeit für ihre Sepa-Umstellung bekommen.

Dieser Schritt war noch vor kurzem nicht absehbar: Die EU-Kommission will das Enddatum für die Sepa-Umstellung verschieben. Die Frist soll einer Pressemitteilung zufolge um ein halbes Jahr auf den 1. August 2014 verlängert werden. Bisher stand Anfang Februar als Umstellungstermin fest. Trotz schleppender Sepa-Umstellung, besonders in Deutschland, hielten die Regulatoren an dem Datum fest. Jetzt sieht die EU-Kommission wegen der immer noch recht geringen Nutzungsdaten von Sepa-Zahlungen offenbar keinen anderen Ausweg.

„Ich bedaure, das tun zu müssen, aber diese Maßnahme ist erforderlich, um mögliche Risiken einer Störung des Zahlungsverkehrs zu verhindern, die besonders für Verbraucher und kleine und mittlere Unternehmen Folgen haben könnten“, sagte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Die Umstellungsrate sei zu gering, um einen reibungslosen Übergang zu dem neuen System zu gewährleisten, erklärte Barnier. In der Praxis soll es nach dem Willen des EU-Kommissars so aussehen, dass Banken nun bis zum 1. August 2014 noch Zahlungen in Altformaten annehmen dürfen. Dies sollte ursprünglich ab 1. Februar 2014 verboten sein.

Die EU-Staaten und das Parlament müssen der Verlängerung der Übergangsfrist allerdings noch zustimmen. Die Kommission drängt zu einer raschen Entscheidung, damit Rechtssicherheit besteht. Falls es innerhalb der kommenden drei Wochen bis zum 1. Februar nicht mehr zu einer Entscheidung kommt, appelliert das EU-Organ deshalb an die nationalen Regierungen sicherzustellen, dass Banken die noch nationale Zahlungsdateien akzeptieren, immerhin nicht bestraft werden. Geschäftsbanken, mit denen DerTreasurer in Kontakt steht, zeigten sich überrascht von der Entwicklung und wollen genauere Details abwarten.

EZB und Bundesbank: Sepa-Nutzungszahlen noch gering

Noch im Dezember 2013 hatte sich die Bundesbank besorgt gezeigt, dass es nicht mehr alle Unternehmen rechtzeitig schaffen werden: „Wir sehen den Stand der Sepa-Umstellung weiter kritisch und können noch keine Entwarnung geben“, hatte Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele kurz vor Weihnachten bei einer Pressekonferenz gesagt. Auch die Commerzbank hatte Ende November gewarnt, dass bis zu 40 Prozent der deutschen Mittelständler Gefahr laufen, die Februar-Deadline zu verpassen. Dies könnte zu schweren Liquiditätsengpässen führen. Trotzdem hatten die Regulatoren stets betont, dass sich die Unternehmen keinerlei Hoffnung machen sollten, dass die Deadline verschoben würde. Der Anreiz zur Umstellung sollte hochgehalten werden.

Entsprechend angesäuert reagierten die EZB und die Bundesbank nun auch auf die Entscheidung der Kommission: Man sei von diesem Schritt überrascht, hieß es gegenüber DerTreasurer bei der Bundesbank. In der Pressemitteilung schreibt sie, dass in Deutschland zwar noch viel zu tun sei. „Trotzdem waren wir zuversichtlich, dass das gesteckte Ziel erreicht werden kann“, sagt Thiele. Die EZB schreibt in einer Pressemitteilung, man nehme den Entschluss zur Kenntnis. Beide Institute wiesen auch noch darauf hin, dass der 1. Februar als formaler Stichtag bestehen bleibt. Sie appellierten an die Unternehmen,  ihre Sepa-Projekte konsequent fortzusetzen und an einer Umstellung zum 1. Februar 2014 festzuhalten. Darauf werden Unternehmen, die jetzt noch mitten in der Sepa-Umstellung stecken, aber wohl erstmal wenig geben.

Den letzten Zahlen der EZB zufolge lag der Anteil der Sepa-Überweisungen im Euro-Raum im November bei gut 64 Prozent. Sepa-Lastschriften standen demnach für knapp 26 Prozent des gesamten Lastschriftverkehrs. Deutsche Unternehmen hinkten dagegen bei der Umstellung noch hinterher: Bei den Überweisungen wurden im November 32 Prozent, bei den Lastschriften 10 Prozent im Sepa-Verfahren abgewickelt.

backhaus[at]derTreasurer.de