Interview mit PwC-Partner Thomas Schräder

01.11.12 15:25

„Emir wird von vielen unterschätzt“

Von Andreas Knoch

Thomas Schräder, Partner bei PwC im Bereich Corporate Treasury Solutions, über die Konsequenzen der Emir-Verordnung für Corporate Treasurer

„EMIR wird von vielen unterschätzt“

PwC

Thomas Schräder

>> Herr Schräder, der deutsche Regierungsentwurf zum Ausführungsgesetz der Emir-Verordnung liegt jetzt vor. Wissen die Treasurer, was da auf sie zukommt?

 

<< Für die Treasury-Abteilungen der DAX-30-Konzerne mag das zutreffen. Doch wir haben in Gesprächen vielfach festgestellt: Für die Masse der kleineren und mittleren Unternehmen gilt das nicht. Viele unterschätzen die Auswirkungen der Emir-Verordnung auf das Treasury.

 

>> Wie kann das sein? Schließlich ist die Regulierung der OTC-Derivate seit geraumer Zeit auch ein öffentliches Thema.

 

<< Meiner Meinung nach reduziert sich Emir in vielen Unternehmen aus dem Nichtbankensektor auf die möglichen Clearingverpflichtungen und die damit verbundenen Schwellenwerte. Diese Sichtweise greift aber zu kurz. Denn alle Unternehmen müssen neue Verfahren im Treasury einführen, um Meldepflichten zu erfüllen. Hinzu kommen noch die geforderten Verfahren, um operationelle Risiken und Adressenausfallrisiken im Zusammenhang mit Derivategeschäften besser zu steuern. All das betrifft Unternehmen, die in einem Geschäftsjahr OTC-Derivate von 10 Millionen Euro Nominalvolumen oder 100 Einzelkontrakte im Bestand haben.

 

>> Welche Konsequenzen hat das im Einzelnen?

 

<< Unternehmen, die diese Grenzen überschreiten, müssen sich von einem Wirtschaftsprüfer einmal jährlich bescheinigen lassen, dass sie geeignete Systeme zum Risikomanagement von OTC-Derivaten implementiert haben. Das Ergebnis der Prüfung ist dem Aufsichtsrat vorzulegen. Bei gewissen Verstößen existiert auch eine Meldepflicht an die BaFin. Emir stellt hier beispielsweise Mindestanforderungen an die Systeme und Verfahren zur Bewertung des Derivatebestands, zum Counterparty-Abgleich oder zum Management von operationellen und Adressenausfallrisiken. Zudem kommt die Meldepflicht für OTC-Geschäfte an ein Transaktionsregister. In vielen Unternehmen ist die dafür nötige Infrastruktur noch gar nicht vorhanden.

 

>> Was raten Sie Treasurern?

 

<< Auch wenn vereinzelt Übergangsfristen geregelt sind, muss Emir in den Unternehmen so schnell wie möglich auf die Agenda: Corporate Treasurer sollten überprüfen, ob und inwieweit die Verordnung für ihr Unternehmen relevant ist.

Knoch[at]derTreasurer.de