Unklarheiten über Details bleiben / Ambitionierter Zeitplan für Unternehmen

16.02.13 15:23

EU einigt sich auf OTC-Regulierung

Von Andreas Knoch

Die grundlegenden Eckpfeiler der Emir-Verordnung stehen. Für Corporate Treasurer wichtige Detailfragen, wie die Höhe der Clearing-Thresholds, sind jedoch nach wie vor offen.

ESMA

ESMA-Sitz in Paris: Die Wertpapieraufsicht befindet unter anderem über die Höhe der Clearing-Thresholds.

Die EU-Regierungen und das Europäische Parlament haben sich in der vergangenen Woche auf die neue Verordnung zur Regulierung von OTC-Derivaten geeinigt. An den seit Monaten diskutierten Eckpunkten der European Market Infrastructure Regulation – kurz Emir – hat sich dabei nichts Wesentliches geändert: Demnach müssen die Geschäfte über zentrale Clearinghäuser abgewickelt sowie in einem Transaktionsregister registriert werden.

 

Doch für Industrieunternehmen, die Preisrisiken aus ihrem Grundgeschäft mit Derivaten absichern, geht die Zitterpartie weiter. „Die aktuelle Emir-Regulierung wird den Risikomanagementanforderungen der Realwirtschaft weitgehend gerecht. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie die Level-2-Maßnahmen der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde Esma im Detail ausfallen werden“, heißt es aus dem Konzernfinanzwesen von BMW. Nach Emir sind Unternehmen außerhalb des Finanzsektors von der verpflichtenden Abwicklung von Derivategeschäften über zentrale Clearinghäuser grundsätzlich befreit, sofern sie nicht bestimmte Schwellenwerte überschreiten. Über die Höhe dieser „Thresholds“ befindet die Esma. Bis Ende September will die Behörde diese und andere offenen Punkte, etwa die Abgrenzung von Spekulation und Hedging, klären. Ursprünglich sollten die Ergebnisse bereits Ende Juni vorliegen. „In welche Richtung die technischen Standards gehen, ist nach wie vor völlig offen“, sagt Dr. Volker Anhäuser von BNP Paribas. Positiv sei jedoch, dass die Esma nun drei Monate länger Zeit habe. Anhäuser hofft, dass die Esma so zu praxisgerechten Lösungen finden werde. Für die Unternehmen ist der Zeitplan ambitioniert: Sie haben nun drei Monate weniger Zeit, mögliche Anpassungen umzusetzen. Denn an der Implementierungsdeadline Ende 2012 ist nicht gerüttelt worden.

 

Ungemach fürchtet die Industrie allerdings von der Bankenregulierung: „Basel III und die Kapitaladäquanzrichtlinie CRD IV werden die Transaktionskosten von OTC-Derivaten in die Höhe treiben“, ist sich der Treasurer eines DAX-Konzerns sicher. Und mit dieser Meinung ist er nicht allein. Treasurer fast aller großen deutschen Konzern fordern deshalb ähnliche Ausnahmeregelungen für Unternehmen wie sie schon in der Emir-Verordnung Eingang gefunden haben.

Knoch[at]derTreasurer.de