Treasury
09.07.12 11:59

Das europäische CO2-Handelssystem ETS steht in der Kritik: eine Flut an kostenlosen Emissionszertifikaten hat den Preis in den Keller getrieben und so den Anreizmechanismus außer Kraft gesetzt. Doch Andreas von Saldern, Experte für Klimawandel und Nachhaltigkeit bei Ernst & Young, setzt entgegen: "Das System hat genau getan, was es tun sollte. Die sinkende Industrieproduktion in Europa bei gleichzeitig steigender Energieeffizienz hat dazu geführt, dass der CO2-Preis gefallen ist.“ Im Interview bei FINANCE-TV warnt er CFOs davor, das Thema zu vernachlässigen, nur weil die gratis zugeteilten CO2-Zertifkate häufig mit dem Buchwert 0 in die Bilanz eingestellt würden. „Liefen die Schwankungen der CO2-Kosten durch die GuV, würden CFOs das Thema aufmerksamer verfolgen“, glaubt er.

Emissionsrechtehandel im Kreuzfeuer der Kritik

Die Handelspreise für Kohlendioxid-Emissionen sind am Fallen. Mussten früher fast 30 Euro pro Tonne Ausstoß bezahlt werden, liegt der Preis inzwischen seit längerem unter 10 Euro pro Tonne – ein Niveau, das von vielen als unzureichend angesehen wird, um Unternehmen zu Investitionen in energieeffizientere Technologien zu veranlassen. Dennoch kann Andreas von Saldern, Klimawandel-Experte von Ernst & Young, die Meinung vieler Kritiker nicht teilen, dass das preisesetzende europäische Handelssystem ETS gescheitert sei: „Das System hat genau getan, was es tun sollte. Die sinkende Industrieproduktion in Europa bei gleichzeitig steigender Energieeffizienz hat dazu geführt, dass der CO2-Preis gefallen ist.“ Würde sich die ökonomische Situation wieder verbessern, sei entsprechend auch wieder mit einem Anstieg des Preises zu rechnen.

Unabhängig davon sei aber ohnehin die eigentliche Herausforderung für Unternehmen, sich effizienter aufzustellen. Der CO2-Ausstoß sei letztendlich nur „die Spitze des Eisbergs“. Angesichts steigender Berichtspflichten über die Umweltexternalitäten, die ein Unternehmen produziert, und der langfristigen Auswirkungen der Energiewende in Deutschland und ganz Europa müsse die Energieffizienz ganz oben auf der Unternehmensagenda stehen, ist sich von Saldern sicher.

Dass CFOs dabei noch nicht die Rolle spielen, die ihnen eigentlich angemessen wäre, sei in diesem Zusammenhang ein besonderes Problem. Dadurch fehle manchmal nicht nur der Blick auf die finanziellen Kosten und Nutzen der Energieeffizienz; es könnten dem Unternehmen auch etliche Millionen Euro an Handelsgewinnen verloren gehen, wenn die CO2-Zertifikate ungenutzt auf der Bilanz verpuffen. „Ein Grund, weshalb viele CFOs dieses Thema vernachlässigt haben ist, dass die CO2-Zertifkate, die ein Unternehmen zugeteilt bekommt, mit einem Buchwert von 0 eingebucht werden“, erklärt von Saldern. „Das mag bilanztechnisch richtig sein, aber wenn die Schwankungen der CO2-Kosten durch die GuV liefen, würden CFOs das Thema aufmerksamer verfolgen.“

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