Finanzierung
10.07.12 11:55

Die Ratingagentur Scope nimmt unaufgefordert alle Emittenten von Mittelstandsanleihen unter die Lupe. Nach den ersten 17 Bewertungen ist die Richtung schon klar: Die Scope-Ratings liegen zum Teil viele Notches schlechter als die bestehenden Ratings: „Qualitative Aspekte wie ein gutes Controlling oder funktionierende Prozesse können über wenig Eigenkapital und schwankende Liquidität nicht hinwegtäuschen“, verteidigt Scope-Chef Thomas Morgenstern bei FINANCE-TV seinen quantitativen Ratingansatz und seine schlechteren Bewertungen. „Insofern muss man auch nicht überrascht sein, dass wir bei Mittelstandsanleihen auch schon erste Ausfälle gesehen haben.“ Was er mit seinem Massen-Rating bezweckt und was er zu dem Vorwurf sagt, er wolle die Emittenten nur erpressen – hier bei FINANCE-TV.

Ratings für Mittelstandsanleihen: Scope vs. Creditreform

Mit ihrem Entschluss, die Emittenten deutscher Mittelstandsanleihen unaufgefordert einem Ratingprozess zu unterziehen, hat die Ratingagentur Scope für Aufsehen gesorgt – vor allem weil ihre Ratings, entstanden ohne besonders engen Kontakt zu den Managementteams, zum Teil deutlich schlechter ausfallen als die bestehenden Bewertungen, die mehrheitlich vom Wettbewerber Creditreform vergeben wurden.

So schätzt Scope die Kreditwürdigkeit des Solarunternehmens SAG nur mit B- ein, ganze acht Notches schlechter als die Creditreform. Den Hemdenhersteller Seidensticker ratet Scope mit B tief im Junk-Bereich, von der Creditreform bekam das Familienunternehmen ein BB+. Deutschlands zweitgrößte Fluglinie Air Berlin – bislang ungeratet – sieht Scope mit CCC- sogar nah am Zahlungsausfall. „Dinge wir ein gutes Controlling oder feine Prozesse können über wenig Eigenkapital und schwankende Liquidität nicht hinwegtäuschen“, verteidigt Scope-Chef Thomas Morgenstern bei FINANCE-TV seinen quantitativen Ratingansatz und seine schlechteren Bewertungen.

Dabei hat Scope gerade erst losgelegt: „Wir wollen das ganzheitliche Gefüge des Marktes transparent machen,  und deshalb werden wir auch noch alle anderen Emittenten raten, die wir bis jetzt noch nicht bewertet haben“, kündigt er bei FINANCE-TV an. Den Vorwurf, dass er damit nur die Emittenten erpressen wolle, damit sie Scope als offizielle Ratingagentur beauftragen, hält Morgenstern für absurd: „Es wäre doch utopisch von uns zu glauben, dass die Unternehmen noch ein zweites Mal viel Geld für ein weiteres Rating ausgeben würden.“

Gleichzeitig sieht Morgenstern offenbar sehr wohl die Risiken, die er mit seinem Vorstoß, Unternehmen unaufgefordert aus der Distanz zu raten, eingeht. „Wenn sich unsere Ratings als grob falsch erweisen sollten, würde die europäische Aufsichtsbehörde ESMA sich uns zur Brust nehmen“, weiß Morgenstern. Doch wie man es dreht und wendet: Die Diskrepanzen zwischen den Mini-Bond-Ratings der Creditreform und denen von Scope sind so groß, dass auf mittlere Sicht einer der beiden Ratingagenturen großer Ärger ins Haus stehen könnte.

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