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12.04.12 11:50

Im Spätsommer wird das EU-Parlament neue Gesetze zur Derivateregulierung verabschieden – mit erheblichen Konsequenzen für Unternehmen, wie Hedgingspezialist Dr. Volker Anhäuser warnt: „Für die Cash-Hinterlegung an einer zentralen Clearingstelle könnten künftig sehr hohe Geldsummen fällig werden.“ Ob es wirklich so schlimm kommt und was Treasurer und CFOs jetzt unbedingt sollten, um sich dagegen zu wappnen – die Antworten hier bei FINANCE-TV.

 

Einschneidende Regulierung: Derivate nur noch über die Börse

Wenn es ganz schlimm kommt, droht Industrieunternehmen eine erhebliche Liquiditätsbelastung aus der verschärften Derivateregulierung, deren Details Ende September durch die Europäische Wertpapieraufsichtsbehörde Esma festgelegt werden sollen. „Wenn ein Unternehmen 50 Prozent seiner Umsätze nach Übersee exportiert, das Fremdwährungsexposure für drei, vier Jahre im Voraus absichert und dann für eine 10-prozentige Schwankung des Wechselkurses bei einer zentralen Clearingstelle Cash hinterlegen muss, kann das einen Liquiditätsabfluss von 20 bis 30 Prozent eines Jahresumsatzes ausmachen“, rechnet Dr. Volker Anhäuser, Hedgingspezialist der BNP Paribas, vor.

Immerhin: „Die Politik hat das Problem erkannt“, freut sich Anhäuser. „Das europäische Parlament hat bereits Änderungen am Gesetzesentwurf gemacht.“ Am Ende könnten Industrieunternehmen bis zu einem gewissen Schwellenwert von der Cash-Hinterlegungspflicht ausgenommen werden, hofft Anhäuser, der viele deutsche Großkonzerne in Hedgingfragen berät.

Er rät CFOs und Treasurern dringend dazu, sich schon jetzt über mögliche Alternativen Gedanken zu machen, falls das Gesetz doch nicht wie erhofft entschärft werden sollte. Anhäusers Vorschläge: Treasurer sollten sich mit anderen Hedginginstrumenten wie beispielsweise Optionen vertraut machen und prüfen, inwieweit sie mit Hilfe eines zentralen Treasury-Centers für ihre Absicherungsgeschäfte ein „Netting“ einführen könnten. „Das muss jetzt angepackt werden“, warnt Anhäuser, „denn das neue Gesetz kommt schnell. Wahrscheinlich tritt es schon zum 1. Januar 2013 in Kraft.“ Mehr Hintergründe, Details und Tipps für Treasurer und CFOs – hier im ausführlichen FINANCE-Talk mit Volker Anhäuser.

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