Treasury
12.07.12 11:55

Viele deutsche Unternehmen – insbesondere im Mittelstand – vernachlässigen das Thema Treasury, meint der Ex-Treasurer und heutige IT-Unternehmer Martin Bellin: „In vielen Finanzabteilungen regieren die Buchhalter.“ Weshalb er ein gutes Treasury für existentiell wichtig hält, was ein Finanzvorstand davon erwarten kann und warum das gar nicht viel kosten muss – Bellins Einschätzung hier bei FINANCE-TV.

Schlecker zeigt: Schwächen im Treasury können sich bitter rächen

Wenn Unternehmen von Zins- und Devisenschwankungen oder Liquiditätsabflüssen auf dem falschen Fuß erwischt werden, hat das meistens einen Grund, meint Ex-Treasurer Martin Bellin, Inhaber und Chef eines Anbieters von Treasury-Software und -Beratung: gravierende Schwächen im Treasury, dem Herzstück einer jeden professionellen Finanzabteilung. „Liquidität ist eine wichtige und knappe Ressource – das ist doch die Lehre aus der Krise von 2008“, sagt Bellin gegenüber FINANCE-TV.

Für „existentiell wichtig“ hält Bellin ein gutes Treasury gerade in der jetzigen Zeit mit all den politischen und wirtschaftlichen Bedrohungen: „Wir diskutieren über den Grexit, das Ende des Euros. Währungsschwankungen und Zinsveränderungen sind in diesem Umfeld nur noch schwer zu prognostizieren. Auch die Bonität der Banken ist ein Thema geworden. Jeder CFO sollte sich dringend fragen: ‚Was ist mir die Transparenz über diese Risiken und ihren Einfluss auf die Liquidität wert‘?“

Bellin moniert, dass viele Unternehmen sich in ihrem Finanzmanagement auf das interne und externe Berichtswesen konzentrieren und dafür Liquiditäts- und Risikomanagement vernachlässigen: „In vielen Finanzabteilungen regieren die Buchhalter.“ Die Ereignisse der vergangenen Monate geben ihm Recht: Immer wieder kommen im Nachgang spektakulärer Pleiten große Versäumnisse im Finanzmanagement ans Licht, zuletzt im Fall Schlecker. „Größe schützt vor Torheit nicht“, warnt Bellin mit Blick auf Großkonzerne, die auch an einem fehlenden oder einem zu schlechten Treasury gescheitert sind.

Der Aufbau eines Treasurys muss Bellin zufolge gar nicht viel kosten: „Dafür kann man Leute auch ausbilden. 20.000 Euro, 100.000 Euro, in komplexen Fällen auch mal 250.000 Euro reichen meistens schon aus, um vernünftiges Treasury aufzubauen.“ Das seien die Summen, die ein CFO auch dann mobilisieren könnte, wenn er innerhalb des Unternehmens als Sparkommissar auftrete: „Das Wissen um die Risiken sollte einem Finanzvorstand diese Investition wert sein“, findet der frühere Treasurer.

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