Finanzierung
13.09.12 11:55

Die Börse Stuttgart ist mit ihrem Segment BondM vorgeprescht, die Deutsche Börse hat den Boom bei Mittelstandsanleihen anfangs verschlafen. Jetzt bläst der Platzhirsch im Börsengeschäft zur Aufholjagd: „In einem Jahr werden wir Stuttgart überholt haben und Marktführer bei Mittelstandsanleihen sein“, kündigt Joachim von Preysing, Leiter des Primärmarktgeschäfts der Deutschen Börse, bei FINANCE-TV an. Helfen soll dabei ein neues Segment für Anleihen großer Mittelständler, das in wenigen Wochen an den Start gehen soll. Was sich dahinter verbirgt und was Preysing Emittenten bieten will – die Antworten hier bei FINANCE-TV.

Prime Standard für Mittelstandsanleihen: Frankfurt bläst zum Angriff auf Stuttgart

Im vergangenen halben Jahr haben sich die Kräfteverhältnisse am deutschen Markt für Mittelstandsanleihen verschoben. Nach Angaben des Deutsche-Börse-Managers Joachim von Preysing ist der Frankfurter Marktführer seit April sowohl bei der Anzahl als auch beim Volumen der Mini-Bond-Emissionen an der Börse Stuttgart, die das Segment aus der Taufe gehoben hat, vorbeigezogen. Doch in absoluten Zahlen hängt die Deutsche Börse noch immer hinterher.

Diese Lücke will von Preysing innerhalb des nächsten Jahres schließen. Gelingen soll dies mit dem neuen Prime Standard für Mittelstandsanleihen. „Damit zielen wir auf Emittenten mit mehr als 300 Millionen Euro Umsatz, die Anleihen im Wert von mindestens 100 Millionen Euro emittieren wollen“, erklärte von Preysing bei FINANCE-TV. Mit zwei Dingen will er die großen Mittelständler in sein neues Marktsegment locken: mit dem Handelssystem Xetra und der Erfahrung der Deutschen Börse in der Zusammenarbeit mit Retail-Investoren, die im Prime Standard trotz der institutionellen Größe der Emissionen eine bedeutende Rolle spielen sollen.

Die jährlichen Listingskosten sollen im Prime Standard mit 5.000 Euro genauso hoch sein wie im weniger stark regulierten Entry Standard, die Emittenten müssen aber höhere Transparenzanforderungen erfüllen: Halbjahresberichte zügig nach dem Stichtag und mindestens eine große Analystenkonferenz im Jahr sind Pflicht. Eigenen Angaben zufolge spricht von Preysing schon mit zahlreichen Unternehmen, die das Listing einer neuen Anleihe am Prime Standard erwägen: „Das Interesse ist da.“ Damit Mittelstandsanleihen nicht durch Pleiten, Pech und Pannenihren Ruf  verspielen, sieht von Preysing weniger die Börsen als die Investoren in der Pflicht: „Die Investoren müssen bei der Auswahl der Anleihen besser selektieren“, kritisiert er.  

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Alle Jahre wieder sehen Banker im Frühjahr die IPO-Welle kommen. Doch auch 2012 bleibt die Lage für Börsengänge in Deutschland schwierig: „Eine IPO-Welle wäre willkommen, aber sie ist wohl nicht zu erwarten“, sagt Dr. Joachim von der Goltz, Managing Director der UBS und Leiter des Kapitalmarktgeschäfts in Deutschland und Österreich. Was Unternehmen bei ihren IPO-Vorbereitungen beachten sollten und welches die häufigsten Fehler sind, sehen Sie im Talk bei FINANCE-TV.

Nach zahllosen Pleiten und Skandalen herrscht seit einem Jahr Flaute am Mini-Bondmarkt, es finden kaum noch neue Emissionen ihren Weg an den Markt. Im Interview mit FINANCE-TV deutet Eric Leupold von der Deutschen Börse erstmals öffentlich an, dass der zentrale Handelsplatz der Mini-Bonds sich bald stärker engagieren wird, um die Schwächen des Segments auszumerzen, und den Mini-Bonds als Finanzierungsinstrument eine Zukunft zu sichern: „Irgendwann müssen wir auch Standards setzen. Mittelfristig wird sicher etwas passieren.“ Wo genau die Deutsche Börse ansetzen will und welche Verschärfung bereits auf dem Weg ist, erfahren Sie hier in der aktuellen Sendung von FINANCE-TV.

Ab dem 26. November will Ekosem Agrar, die deutsche Holding des russischen Agrarkonzerns Ekoniva, zum zweiten Mal in diesem Jahr den Bondmarkt anzapfen. Nach einer erfolgreichen Erstemission über 50 Millionen Euro im Segment Bond M im März an der Stuttgarter Börse, will CFO Wolfgang Bläsi nun weitere 60 Millionen Euro platzieren.

 

Ein Grund für das Ausweichen auf den deutschen Kapitalmarkt: Kreditzinsen in Russland sind angesichts von fast 7 Prozent Inflation deutlich teurer als die rund 7-Prozent-Kupons in Deutschland. Zudem ist der russische Bankensektor vergleichsweise zersplittert. Die Erlöse will er in die Herde von Milchkühen, Ställe und Fläche investieren und die Betriebsleistung in den kommenden Jahren von 80 Millionen Euro auf annähernd 200 Millionen Euro steigern. Die hohen Vorfinanzierungen führen dabei zu einem negativen Free Cashflow, solange das Unternehmen wächst, erklärt Bläsi. Das Geschäft sei profitabel genug, um die Investoren zu bedienen, versichert er. Ekosem profitiert von den auf Mangelversorgung beruhenden hohen russischen Milchpreisen.

 

Im Vorfeld der ersten Emission musste er mit der Börse und den Investoren „reden, reden, reden“, um die Russlandgeschichte deutlich zu machen. Wie er das politökonomische Risiko einschätzt, erfahren Sie im Interview bei FINANCE-TV.

Seit dem Sommer geht es am Bondmarkt nicht mehr vorwärts, die Emissionsbedingungen für CFOs verschlechtern sich nach und nach. Das hat Folgen: „Der Jahresstart war deutlich schwächer als 2015“, berichtet Paula Weißhuber, Leiterin des deutschen Debt-Emissionsgeschäfts der Bank of America Merrill Lynch bei FINANCE-TV. Ihr Rat an CFOs: „Timing wird in den nächsten Monaten extrem wichtig sein.“ Was Finanzchefs für ihre Fundingstrategie jetzt wissen müssen und warum sie unbedingt darauf achten sollten, was die Blue-Chip-Konzerne aus den USA in den nächsten Wochen machen – Paula Weißhubers Antworten nur hier bei FINANCE-TV.

Die Blockchain-Technologie wird die Platzierung von Schuldscheinen gravierend vereinfachen. Davon ist die Landesbank Baden-Württemberg nach ihrem Testlauf mit Daimler überzeugt. „Wir konnten Effizienzsteigerungen von 50 Prozent verzeichnen“, berichtet Joachim Erdle, Leiter Corporate Finance bei der LBBW, bei FINANCE-TV. Ob es mit Hilfe dieser Verbesserungen für Firmenkunden billiger wird, was die LBBW nach der Daimler-Transaktion als nächstes vor hat und wann der Blockchain-Schuldschein in Serie gehen soll, das sehen Sie nur hier bei FINANCE-TV.

Die ING sieht sich mit ihrer Wachstumsoffensive im deutschen Firmenkundengeschäft auf Kurs: 130 deutsche Unternehmen zählt die niederländische Großbank inzwischen zu ihren Kunden, sagte Firmenkundenvorstand Joachim von Schorlemer im Interview mit FINANCE-TV und kündigte an: „Wir werden weiter kräftig investieren und wachsen.“ Welche Rolle der Kredit dabei spielt, wie sich das Kosten-Ertrags-Verhältnis der Bank entwickelt hat und wie sich die ING im hartumkämpften deutschen Markt von Wettbewerbern abgrenzen will – von Schorlemers Antworten sehen Sie nur hier bei FINANCE-TV.