Strategie
26.06.12 11:55

Totgesagte leben länger: Nur drei Jahre nach dem tiefen Einbruch des Automarktes und der hausgemachten Schuldenkrise steht der Autozulieferer Continental stärker da als je zuvor. Dank eines strammen Abbaus der Verschuldungsquote (Gearing) von 219 auf 85 Prozent hat Conti wieder Spielräume, die das Management aber vorerst nicht nutzen will: „Wir werden erst einmal weiter Schulden abbauen, bis wir unser Gearing unter 60 Prozent gedrückt haben“, kündigt Conti-CFO Wolfgang Schäfer im Interview bei FINANCE-TV an. Wie lange das noch dauern wird, was seine Pläne für die Zeit danach sind und wie er zu der Idee steht, Großinvestor Schaeffler herauszukaufen – Schäfers Antworten exklusiv hier bei FINANCE-TV.

Continental auf Erholungskurs: Schuldenabbau schafft neue Spielräume

Das Wachstum der globalen Automärkte und der konsequente Schuldenabbau haben dem zeitweise hoch verschuldeten Autozulieferer Conti wieder eine sichere Basis verschafft. Innerhalb von drei Jahren hat Conti rund 4 Milliarden Euro Schulden abgebaut, die Verschuldungsquote (Gearing) liegt mit 85 Prozent nur noch bei knapp einem Drittel des Höchststandes vom März 2009. Im Verhältnis zum operativen Gewinn ging die Nettoverschuldung von 3,8x auf 1,6x Ebitda zurück.

Obwohl diese Quote angesichts des guten Geschäftsverlaufs des Dax-Anwärters moderat erscheint, will Finanzchef Wolfgang Schäfer den Schuldenabbau weiter vorantreiben und so lange Schulden abbauen, bis das Gearing unter 60 Prozent gesunken ist. Diese Marke wird voraussichtlich im Lauf des kommenden Jahres erreicht werden: „Beim Working Capital Management dürften wir inzwischen zum besseren Drittel unserer Industrie gehören“, sagt Schäfer – ein Hinweis darauf, dass allzu viele Einsparungen in diesem Bereich nicht mehr zu erwarten sind. „Aber unser operatives Geschäft ist sehr cash-stark. Dadurch werden unsere Schulden weiter sinken.“ Noch niedrigere Schulden hält er vor allem deshalb für nötig, weil er, wie er im Interview mit FINANCE-TV betont, die Autoindustrie nach wie vor für sehr zyklisch hält. Mit einer stabilen Bilanz möchte er Conti für die nächste Marktkrise rüsten.

Wenn das Verschuldungsziel erreicht ist, könnten er und CEO Elmar Degenhart seine Strategie ändern, kündigt der Finanzchef an: „Dann nehmen wir möglicherweise auch wieder größere Zukäufe ins Visier.“ Der Financial Covenant des milliardenschweren syndizierten Kredits – dem Rückgrat der Conti-Finanzierung – von maximal 3x Ebitda Nettoverschuldung wäre dann wohl kein Hindernis: „Bei Bedarf könnten wir mit unseren Banken darüber sprechen, ob wir diese Grenze möglicherweise für einen begrenzten Zeitraum öffnen.“ Womöglich könnte das auch direkt im Zuge der Neuverhandlung des SynLoans geschehen, das Kreditpaket steht 2013 zur Verlängerung an, fällig wird es im Jahr darauf. 

Seit der umfassenden Refinanzierung vor zwei Jahren ist Conti inzwischen auch nennenswert über High-Yield-Bonds finanziert. Das ausstehende Bondvolumen beläuft sich auf 3 Milliarden Euro, zwischen 2015 und 2018 werden die Anleihen zur Rückzahlung fällig. Doch Conti hat von 2013 an die Option, die Bonds vorzeitig zurückzukaufen. Auch das wäre eine Möglichkeit, mit dem neu gewonnenen finanziellen Spielraum die Bilanz zu optimieren.

Im Aktienkurs spiegelt sich die gute Entwicklung des Autozulieferers wider. Vom Tiefststand bei 12 Euro im Frühjahr 2009 hat sich die Aktie bis in den Bereich von 70 Euro nahezu versechsfacht. Auf diesem hohen Niveau bewegt sie sich seit Jahresbeginn unter Schwankungen seitwärts. Es fehlt nicht mehr viel, und Continental könnte im Herbst zum zweiten Mal in der Unternehmensgeschichte die Rückkehr in den Dax schaffen. Conti wäre das erste Unternehmen in der deutschen Börsengeschichte, dem dies gelingt.

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