Finanzierung
20.01.16 11:55

Seit dem Sommer geht es am Bondmarkt nicht mehr vorwärts, die Emissionsbedingungen für CFOs verschlechtern sich nach und nach. Das hat Folgen: „Der Jahresstart war deutlich schwächer als 2015“, berichtet Paula Weißhuber, Leiterin des deutschen Debt-Emissionsgeschäfts der Bank of America Merrill Lynch bei FINANCE-TV. Ihr Rat an CFOs: „Timing wird in den nächsten Monaten extrem wichtig sein.“ Was Finanzchefs für ihre Fundingstrategie jetzt wissen müssen und warum sie unbedingt darauf achten sollten, was die Blue-Chip-Konzerne aus den USA in den nächsten Wochen machen – Paula Weißhubers Antworten nur hier bei FINANCE-TV.

US-Konzerne graben deutschen Emittenten am Bondmarkt das Wasser ab

Die auseinanderklaffenden Zinsen in Europa und den USA locken immer mehr US-Konzerne an den Eurobondmarkt. Die dort eigentlich den Ton angebenden deutschen Emittenten geraten dadurch ins Hintertreffen, warnt Paula Weißhuber, die Leiterin des deutschen Debt-Emissionsgeschäfts der Bank of America Merrill Lynch – aus zwei Gründen: „Erstens sind es große bonitätsstarke Blue-Chip-Unternehmen, die auf den europäischen Bondmarkt drängen, und zweitens sind die US-Emittenten weniger spreadsensibel als die deutschen“, sagte Weißhuber im Interview mit FINANCE-TV.

Die Zahlen sprechen für sich: Von 2014 auf 2015 wuchs der Anteil der US-Konzerne am europäischen Bondemissionsvolumen von 17 auf 25 Prozent, während die deutschen Emittenten bei 16 Prozent verharrten – und das in einem nicht mehr wachsenden Markt. Dies ist ein Beleg für die aktuelle Zurückhaltung deutscher CFOs, wenn es um die Aufnahme von neuem Fremdkapital über den Bondmarkt geht, sei es für Refinanzierungen, Pre-Funding oder außerordentliche Manöver wie M&A-Deals oder Aktienrückkaufprogramme. Dies gilt für Investmentgrade- wie Highyield-Anleihen gleichermaßen. Nur bei den Hybridanleihen hat das attraktive Zinsniveau 2015 zu einem lebhafteren Emissionsgeschäft geführt.

Dabei sind die Zinskosten so gering wie nie zuvor. 2015 haben sich zahlreiche deutsche Konzerne zu rekordtiefen Zinsen langfristig mit neuen Bonds eingedeckt: Allein die vier Autokonzerne BMW, Continental, Daimler und VW sammelten zusammen über 3 Milliarden Euro ein und zahlten dafür Kupons zwischen 0,5 und 1,6 Prozent. Und gleich in der ersten Januarwoche packte Daimler noch einen drauf und nahm alleine 3,25 Milliarden Euro auf – zu ähnlich prächtigen Konditionen wie im Jahr davor. „Das war der perfekte Einstieg ins Bondjahr 2016“, freut sich Weißhuber. „Aber an jedem Tag danach wäre der Deal in dieser Form nicht gelaufen.“ 

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Die Zinswende in den USA trifft auch deutsche CFOs: Die Finanzierung in US-Dollar wird teurer, gleichzeitig drängen immer mehr amerikanische Unternehmen auf den vergleichsweise günstigen Euro-Anleihemarkt: „US-Unternehmen arrangieren sich schneller mit der neuen Situation, europäische Finanzchefs sind preissensibler“, sagt Jörg Sautter, Leiter des Debt Capital Markets Geschäfts der Citibank in der DACH-Region. Was er deutschen CFOs im Hinblick auf Euro-Emissionen rät, warum es sich lohnen kann, am US-Dollar-Bondmarkt schnell zu sein, und wie er die weiteren Schritte der US-Notenbank Fed einschätzt – Sautters Antworten hier bei FINANCE-TV.

Das Bankhaus Lampe hat einen neuen Mezzanine-Fonds aufgelegt. 100 Millionen Euro will die Bank bei institutionellen Anlegern einsammeln und an deutsche Mittelständler ausgeben. Dass Unternehmen mit guter Bonität sich vor Finanzierungsalternativen derzeit kaum retten können, sieht Lampe nicht als Problem: „Als Eigenkapital-Surrogat brauchen viele Unternehmen Mezzanine“, sagt Ole Klose, Geschäftsführer von Lampe Capital Finance im Interview mit FINANCE-TV. Welche Unternehmen auf Geld aus dem Fonds hoffen dürfen und wie man sich von den wenig erfolgreichen Standard-Mezzanine-Programm abgrenzen will, verrät Klose hier bei mit FINANCE-TV.

Nach einer ausgeprägt langen und heftigen Sommerflaute kommt Unruhe auf unter den Investoren, Bankern und Emittenten am High-Yield-Markt. „Das ist nur eine normale Sommerschwäche“, beruhigt der High-Yield-Spezialist Matthias Minor bei FINANCE-TV. „Der Risikoappetit der Investoren ist nach wie vor hoch.“ Wann die abgeflossenen Gelder zurückkommen werden und was für ein Marktumfeld CFOs in den nächsten Monaten erwartet, verrät der Banker der Royal Bank of Scotland hier bei FINANCE-TV.

Ekosem, Stauder, MS Deutschland: Seit Wochen rollt eine gewaltige Emissionswelle über den Markt für Mittelstandsanleihen, am Jahresende werden noch mehr Mini-Bonds platziert worden sein als im bisherigen Rekordjahr 2011. Viele Beobachter argwöhnen jedoch, dass die Kreditqualität immer schlechter wird, sowohl bei den bestehenden als auch bei den neuen Emittenten – eine These, die Michael Munsch, Chef von Creditreform Rating, klar zurückweist: „Wir sehen keine geravierende Verschlechterung der Kreditqualität“, sagt er bei FINANCE-TV. Trotz erster Ausfälle hält der Chef des Ratingsmarktführers bei Mini-Bonds Vergleiche mit dem Neuen Markt für unangebracht: „Wir rechnen mit keiner unnormalen Entwicklung bei den Ausfallraten. Wenn in zwei, drei Jahren die ersten Refinanzierungen gelingen, gebe ich diesem Marktsegment eine große Chance.“

 

Wieso er die Kritik an den Creditreform-Ratings als überzogen zurückweist, wie die Ratingagentur zu ihren Einschätzungen kommt und was er von der Qualität der Ratings des Erzrivalen Scope hält – das ganze Interview nur hier bei FINANCE-TV.

Die Blockchain-Technologie wird die Platzierung von Schuldscheinen gravierend vereinfachen. Davon ist die Landesbank Baden-Württemberg nach ihrem Testlauf mit Daimler überzeugt. „Wir konnten Effizienzsteigerungen von 50 Prozent verzeichnen“, berichtet Joachim Erdle, Leiter Corporate Finance bei der LBBW, bei FINANCE-TV. Ob es mit Hilfe dieser Verbesserungen für Firmenkunden billiger wird, was die LBBW nach der Daimler-Transaktion als nächstes vor hat und wann der Blockchain-Schuldschein in Serie gehen soll, das sehen Sie nur hier bei FINANCE-TV.

Der Bondmarkt boomt: In den ersten zwei Wochen 2017 haben Unternehmen Euro-Anleihen über 17 Milliarden Euro platziert – so viel wie seit über vier Jahren nicht mehr. „2017 gilt: Je früher man an den Markt geht, desto besser“, sagt Christoph Paul, DCM-Banker bei der Crédit Agricole CIB im Interview mit FINANCE-TV. Denn die exzellenten Konditionen aus dem vergangenen Herbst sind wohl passé. Warum das so ist und wie die Zinswende konkret abläuft – Pauls Prognosen hier bei FINANCE-TV.