Treasury
21.09.16 11:55

Die Fake-President-Masche, bei der sich Betrüger als Chef ausgeben und falsche Zahlungen in Auftrag geben, kostet Unternehmen Millionen. Einmal verschwundenes Geld sehen die Firmen in der Regel nicht wieder – umso wichtiger ist Prävention und eine gute Versicherung. Bei letzterer hakt es jedoch häufig: „Am Anfang dachten die Versicherer, die Angriffe gehen vorüber“, sagt Gunbritt Kammerer-Galahn, Head of Insurance bei der Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing. Inzwischen haben sie mit ihrem Angebot zwar nachgezogen, doch es kommt häufig zu Rechtsstreitigkeiten. Warum das so ist, welche Rolle Cybercrime-Policen spielen und worauf CFOs in persönlichen Haftungsfragen achten sollten, das sehen Sie hier bei FINANCE-TV.

Fake President: CFOs sollten Versicherungsbedingungen prüfen

Bei dem Nürnberger Automobilzulieferer Leoni haben Kriminelle kürzlich 40 Millionen Euro erbeutet. Der MDax-Konzern ist das wohl prominenteste Opfer der sogenannten Fake-President-Masche, aber bei weitem nicht das einzige. Der Trick der Betrüger, sich als Chef oder CFO auszugeben und in dieser Rolle eine Zahlung in Auftrag zu geben, hat Konjunktur. Viele Fälle kommen allerdings nicht ans Licht. Wer nicht am Kapitalmarkt tätig ist und daher nicht ad-hoc-pflichtig, ist tunlichst bemüht, dass die Fälle nicht an die Öffentlichkeit geraten – und gerade Mittelständler mit hierarchischen Strukturen stehen im Fokus der Betrüger.

„Wir erleben diese Übergriffe bereits seit drei bis vier Jahren“, sagt Gunbritt Kammerer-Galahn, Partnerin bei der Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing. In dieser Zeit hat die Fachanwältin für Versicherungsrecht diverse Fake-President-Opfer vertreten, die sich mit ihren Versicherern auseinandersetzen mussten. Zwar gibt es mit der sogenannten Vertrauensschadenversicherung eine Police, die den finanziellen Verlust erstattet: „Bis zum vorherigen Jahr haben die Versicherer aber nicht gezahlt, wenn der Mitarbeiter, der die Zahlung freigegeben hat, grob fahrlässig gehandelt hat“, sagt Kammerer-Galahn. Das sei allerdings oftmals der Fall: „Die Betrüger leben davon, dass sie Druck auf die Mitarbeiter in der Finanzabteilung ausüben, damit diese etwa das Vier-Augen-Prinzip bei der Zahlungsfreigabe missachten.“ In neuen Policen gibt es diese Einschränkung nicht mehr. Ihr Ratschlag an die CFOs: „Prüfen, ob der Versicherungsvertrag bereits die neuen Bedingungen enthält.“

Während Vertrauensschadenversicherungen in der deutschen Wirtschaft weit verbreitet sind, kommen sogenannte Cybercrime-Policen bislang noch kaum zum Einsatz. Sie können bei Fake-President-Angriffen allerdings eine zusätzliche Absicherung bilden, denn die Attacken gehen oft mit Hacking- und Phishing-Angriffen einher. Das Angebot ist hierzulande jedoch noch begrenzt, beobachtet Kammerer-Galahn: „Die Versicherer haben noch keine Schadenserfahrung. Sie sind im Moment erst noch dabei, Daten zu sammeln und Prämien zu errechnen.“

Unter welchen Umständen eine Cybercrime-Police Sinn ergibt und welche Rolle Directors & Officers(D&O)-Versicherungen bei Fake-President-Angriffen spielen – das erklärt Gunbritt Kammerer-Galahn im Interview mit FINANCE-TV. 

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Mit der Fake-President-Masche haben Betrüger Millionen erbeutet, prominente Opfer wie der Automobilzulieferer Leoni und der Flugzeugkomponentenhersteller FACC sind nur die Spitze des Eisbergs: „Etwa jeder zehnte Kunde hat schon einmal Geld an Betrüger überwiesen“, sagt Andreas Schulz, Berater bei dem Treasury-Softwarehaus Litreca im Interview mit FINANCE-TV. Warum die Fake-President-Masche immer noch funktioniert, welche neuen Tricks die Betrüger anwenden und wie vermeintliche Schutzmaßnahmen für Unternehmen sogar zur Gefahr werden können, das sehen Sie hier bei FINANCE-TV.

Die Bedrohung durch Cybercrime greift zunehmend auf die Finanzabteilungen über. Mit gerissenen Methoden versuchen die Betrüger, Geld zu erbeuten. „Das geht soweit, dass einige CFOs inzwischen schon selbst Zahlungen freigeben wollen“, sagt Axel Goedecke, Berater bei Horváth & Partner, gegenüber FINANCE-TV. Wie genau die Betrüger vorgehen, warum ihre Maschen so schwer zu enttarnen sind und wie sich Unternehmen dennoch schützen können, das sehen Sie in der heutige Ausgabe von FINANCE-TV.

Eine Akquisitionsfinanzierung für einen laufenden M&A-Prozess aufsetzen, eine bestehende Kreditlinie refinanzieren, ein innovatives Finanzprodukt zur Ablösung der M&A-Brückenfinanzierung etablieren: Das Treasury-Team von Nordex musste in diesem Jahr gleich eine ganze Serie an komplexen Transaktionen parallel bewältigen.

Für diese Leistung hat das Team um Torsten Hinsche, Head of Corporate Finance & Treasury, auf der diesjährigen Structured FINANCE von der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer den Preis für das Treasury des Jahres 2016 erhalten. Wie das Team die Komplexität bewältigt hat und wie die Idee für den ersten „Green Schuldschein“ entstand, verrät Torsten Hinsche im Talk bei FINANCE-TV.