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21.02.13 11:55

Seit 2009 hat die Holding Franz Haniel drei Anleihen begeben, zuvor hatte sich der Konzern von einer Ratingagentur durchleuchten lassen. Damit hat das Familienunternehmen einen Schritt gewagt, der vielen privatgeführten Konzernen schwerfällt: die Öffnung gegenüber dem Kapitalmarkt. „Diesen Schritt muss man früh intern kommunizieren“, rät Dr. Axel Gros, Leiter Finanzen bei Franz Haniel & Cie. Welche Tipps er Kollegen mit auf den Weg gibt, wie er zu Ratingagenturen steht und warum ihm die zunehmende Regulierung des Kapitalmarkts Sorgen bereitet, erklärt er im Interview mit FINANCE-TV.

Haniel-Finanzdirektor Gros: „Banken werden vielleicht nicht mehr immer da sein“

Eine breite Öffentlichkeit über Einnahmen und Ausgaben zu informieren, fällt insbesondere Familienunternehmen oft schwer. Entsprechend gut muss der Gang an den Kapitalmarkt vorbereitet werden, weiß Dr. Axel Gros, Leiter Finanzen bei Franz Haniel & Cie., aus eigener Erfahrung. Seit 2009 nutzt das Unternehmen den Kapitalmarkt intensiv, zuvor hatte der Konzern ein externes Rating eingeholt. „Ein Investor muss sich eine  Meinung bilden können, daher ist ein Rating für uns wichtig“, sagt Gros. Das Vertrauen der Investoren ist in seinen Augen auch ein gutes Argument, um Vorstände und Kollegen für mehr Offenheit zu sensibilisieren.

Der Kapitalmarkt ist für Haniel inzwischen ein wichtiges zweites Standbein in Punkto Unternehmensfinanzierung. Das hat vielfältige Gründe, etwa die Reduzierung von Finanzierungsrisiken. Denn Gros sieht besonders die zunehmende Bankenregulierung mit Sorge – und fürchtet Konsequenzen: „Die Banken werden vielleicht nicht mehr immer da sein.“ Weitere Finanzierungsquellen seien daher sinnvoll.

Intern sollten Finanzverantwortliche früh dafür sorgen, dass eine breite Mitarbeiterschicht die Kapitalmarktstrategie unterstützt, lautet sein Rat. Gros empfiehlt, das Unternehmen schon kapitalmarktfähig zu machen, bevor eine Transaktion unmittelbar bevorsteht – um dann schnell handeln zu können, wenn es so weit ist.

 

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