Finanzierung
05.10.15 11:55

Die Pipeline am Schuldscheinmarkt ist so voll, dass Andreas Petrie, Leiter des Primärmarktgeschäfts der Helaba, den Markt auf Kurs zu den historischen Rekordhochs von 20 Milliarden Euro Emissionsvolumen im Jahr sieht: „Die Deals driften im Moment vom Bond- in den Schuldscheinmarkt“, sagt Petrie bei FINANCE-TV zur Begründung. Welche Deals und Emittenten den Boom antreiben und warum der Mega-Schuldschein von ZF Friedrichshafen schon bald getoppt werden könnte – der Schuldscheintalk hier bei FINANCE-TV.

20 Milliarden Euro Emissionsvolumen? Rekordjagd am Schuldscheinmarkt

Der Schuldscheinmarkt boomt: Schon nach neun Monaten hat das Emissionsvolumen den gesamten Vorjahreswert von 12 Milliarden Euro übertroffen. Und es geht weiter: „Die Pipeline für das vierte Quartal ist voll“, berichtet der Schuldschein-Banker Andreas Petrie, Leiter des Primärmarktgeschäfts der Helaba, bei FINANCE-TV. Damit rückt sogar der bisherige Rekordwert von 20 Milliarden Euro in Reichweite. So gut wie sicher wird dieses Jahr die magische Marke von mehr als 100 Schuldscheinemissionen geknackt.

Anders als im Frühjahr sind es aktuell nicht die kleinen, bonitätsschwächeren Unternehmen, die den Markt prägen, sondern große Emissionen von gut kapitalisierten Emittenten, wie zum Beispiel Asklepios: Die Klinikkette hat Ende August einen Schuldschein über 580 Millionen Euro platziert. Aktuell arbeiten schon weitere große Emittenten wie Obi und Baywa an einem Schuldscheindeal. Im Frühjahr platzierte der Autozulieferer ZF Friedrichshafen zur Refinanzierung der TRW-Übernahme einen Mega-Schuldschein mit einem Volumen von 2,2 Milliarden Euro.

Der Marktstruktur hat dies gut getan, meint Petrie: „Der Schuldscheinmarkt ist und bleibt ein Investment-Grade-Markt, auch wenn hier und da mal kleinere und schwächere Emittenten zu sehen sind“, stellt er klar. Und der Markttrend läuft für die soliden Emittenten: „Die Zinskonditionen sind attraktiv und die Laufzeiten der begebenen Schuldscheine werden tendenziell länger“, erklärt Petrie.

Allerdings bekommen die deutschen Emittenten zunehmend Konkurrenz von ausländischen Firmen, die in den Schuldscheinmarkt drängen. Mehr als jeder vierte Schuldscheinemittent kommt bereits aus dem Ausland, und auch die Dealgrößen der ausländischen Emittenten wachsen. Doch auch das hat laut Petrie aktuell positive Folgen für den Markt, denn – so der Schuldscheinspezialist – die ausländischen Emittenten locken auch immer ausländische Investoren in den Markt. Das ist wichtig, denn das aktuell so reichliche Angebot neuer Schuldscheine muss auch aufgenommen werden. „Es gibt ganze Marktbereiche in Europa, die sich der Schuldschein noch nicht erschlossen hat“, macht Petrie Mut für die Zukunft.

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