Finanzierung
18.04.16 11:55

Die Ankündigung der EZB, künftig auch Unternehmensanleihen kaufen zu wollen, hat die Bondrenditen deutlich gedrückt. Obwohl die EZB nur Investmentgrade-Papiere erwerben will, profitieren davon auch High-Yield-Emittenten: „Im Markt für Hochzinsanleihen ist reichlich Liquidität vorhanden. Was fehlt, sind die Neuemissionen“, sagt Steffen Wasserhess, Experte für High-Yield-Bonds bei der UniCredit. Warum die Neuemissionen bislang ausbleiben, was sich durch die EZB-Entscheidung ändert und wie sich der High-Yield-Markt in diesem Jahr entwickeln wird – Wasserhess‘ Antworten hier bei FINANCE-TV.

Der High-Yield-Markt wird von dem EZB-Ankaufprogramm profitieren

Mit ihrer Ankündigung vom 10. März hat die Europäische Zentralbank den Markt überrascht: Ab Juni will sie auch Unternehmensanleihen kaufen, deren Bonität im Investmentgrade-Bereich angesiedelt ist (mindestens BBB-). Die Details des Programms sind noch nicht bekannt, dennoch sind die Risikoaufschläge der Unternehmensanleihen bereits jetzt gesunken – bei spekulativeren stärker als bei den Papieren bonitätsstarker Emittenten. Viele Unternehmen können sich dadurch jetzt günstiger denn je verschulden.

Viele Emittenten nutzen diese Situation: Gab es in den ersten zwei Monaten des Jahres kaum Neuemissionen, zog der Markt im März kräftig an: Mit 49,4 Milliarden Euro blieb der europäische Corporate-Bond-Markt nur um 400 Millionen Euro unter dem Allzeithoch vom Vorjahr. Die Emission der Deutschen Telekom kurz nach der EZB-Ankündigung soll geradezu überrannt worden sein, mit einem Orderbuch von 18 Milliarden Dollar. „Bislang sehen wir aber hauptsächlich Emissionen von Investmentgrade-Unternehmen und im Cross-Over-Bereich“, sagt Steffen Wasserhess, High-Yield-Experte bei der UniCredit. Single-B- und schlechter geratete Unternehmen hielten sich dagegen zurück – auch weil hier die Vorbereitungen für eine Emission länger dauern als bei Investmentgrade-Anleihen.

Dabei können auch schlechter geratete Unternehmen von dem EZB-Ankaufprogramm profitieren – und zwar indirekt: Die EZB dürfte mit ihren Käufen andere Investoren zwingen, in riskantere Anlagen auszuweichen, um noch Rendite zu erzielen. „Auch die neue Langfristkredite an Banken dürften dem Markt Auftrieb geben“, sagt Wasserhess. „Das Marktumfeld ist für CFOs sehr attraktiv.“

Inwieweit der Markt den Effekt des EZB-Programms schon vorweggenommen hat und was das Ankaufprogramm für die Attraktivität anderer Finanzierungsinstrumente im High-Yield-Bereich bedeutet, erklärt Wasserhess in der heutigen Ausgabe von FINANCE-TV. 

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