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06.03.17 11:55

Im Kampf gegen die Kapitalflucht und die Abwertung des Renminbi greifen die chinesischen Behörden zu drastischen Mitteln: In einigen Regionen werden schon Auslandsüberweisungen ab 1 Millionen US-Dollar streng geprüft. „Deutsche Exporteure müssen sich auf Zahlungsverzögerungen von drei bis fünf Wochen einstellen“, sagt Andreas Tesch, Chief Market Officer bei dem Kreditversicherer Atradius, im Interview mit FINANCE-TV. Wie deutsche CFOs diesen Kontrollen begegnen sollten und wie sich die Einschränkungen auf Konditionen von Exportabsicherungen auswirken – Andreas Teschs Antworten nur hier bei FINANCE-TV.

Deutsche Exporteure haben mit Zahlungsverzögerungen zu kämpfen

Im vergangenen Jahr hat der chinesische Renminbi gegenüber dem US-Dollar 6,5 Prozent an Wert verloren. Der Verfall wäre noch deutlich drastischer ausgefallen, hätte nicht die chinesische Zentralbank PBoC am Devisenmarkt eingegriffen. Doch die Währungsreserven der Notenbank schmilzen, weshalb die Behörden – neben der PBoC auch die Devisenbehörde SAFE – seit Anfang 2016 schrittweise die Kapitalverkehrskontrollen wieder verschärfen. Wurden anfangs zunächst nur Beträge ab 50 Millionen US-Dollar genau geprüft, ist der Schwellenwert inzwischen auf 5 Millionen US-Dollar gesunken.

In einigen Regionen liegt er sogar bei 1 Millionen Dollar, berichtet Andreas Tesch, Chief Market Officer bei dem Kreditversicherer Atradius: „Mit den Prüfungen von Auslandsüberweisungen wollen die Behörden vor allem verdeckte M&A-Transaktionen chinesischer Investoren unterbinden“, sagt Tesch. Um den Kapitalabfluss einzudämmen, sind große Zukäufe im Ausland inzwischen genehmigungspflichtig. Offenbar versuchen nicht wenige Unternehmen, ihr Geld geheim außer Landes zu schaffen. Auch Finanzströme wie Dividendenzahlungen beäugen die Behörden genau:  „Das trifft auch viele deutsche Unternehmen mit chinesischen Tochtergesellschaften“, beobachtet Tesch.

Außerdem haben die Kontrollen einen ungewollten Nebeneffekt: Sie behindern auch den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr im Warenhandel, wie deutsche Exporteure berichten. Ihre chinesischen Kunden haben Schwierigkeiten, die Rechnungen zu begleichen. „Das ist kein Problem der Behörden, sondern eines der Banken in China, die die Prüfungen durchführen“, sagt Tesch. Sie hätten zum Teil nicht genug Ressourcen, um dabei schnell zu sein. „Wir hatten aber noch keinen Kunden, dessen Forderung deshalb am Ende ausgefallen ist.“

Trotzdem hat Atradius seine Prüfkriterien in China verschärft. Warum das so ist und worauf CFOs achten sollten, die Dividenden ihrer chinesischen Tochtergesellschaften abziehen wollen, erfahren Sie im Talk bei FINANCE-TV.

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Im Zahlungsverkehr gehört der chinesische Renminbi inzwischen zu den zehn wichtigsten Währungen. Auch für ausländische Unternehmen gibt es immer mehr Möglichkeiten, den chinesischen Finanzierungsmarkt zu nutzen. Heinz Hilger, Leiter des deutschen Großkundengeschäfts bei der Standard Chartered Bank, geht davon aus, dass sich auch die neue Möglichkeit der Onshore-Anleihe durchsetzen wird: „Der Markt wird sich weiter kultivieren.“ Für wen Anleihen in China interessant sind, welche Vorteile die frisch eingerichtete Freihandelszone in Schanghai für Unternehmen bringt und welche Erleichterungen sich insbesondere beim Cashpooling bieten erklärt im Gespräch mit FINANCE-TV.

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