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15.06.16 11:55

Die Großkonzerne Siemens, Daimler, Symrise, aber auch viele Mittelständler wollen im Iran durchstarten. Doch fünf Monate nachdem weite Teile der Iran-Sanktionen gefallen sind, herrscht Ernüchterung: Banken stellen keine Finanzierung, im Zahlungsverkehr hapert es nach wie vor, und auch Kreditversicherer sind zurückhaltend: „Wir machen keine Geschäfte im Iran“, sagt Mario Jung vom Kreditversicherer Coface. Warum sich das auf absehbare Zeit wohl nicht ändern wird, wie Coface derzeit mit Anfragen von Firmenkunden umgeht und wie der Coface-Manager die wirtschaftliche Lage im Iran einschätzt – das sehen Sie hier bei FINANCE-TV.

Iran: Die Sanktionen sind gefallen, die Risiken bleiben

Fünf Monate ist es her, dass die EU ihre Iran-Sanktionen weitestgehend aufgehoben hat. Deutsche Unternehmen wittern seitdem erhebliche Geschäftschancen in der Islamischen Republik: Knapp 80 Millionen Einwohner wollen nach Jahrzehnten der Isolation wieder an frühere Lebensstandards anknüpfen. Der Nachholbedarf bei Infrastrukturinvestitionen ist enorm, zudem sind der iranische Fahrzeug- und Maschinenbau sowie die Energie- und Umwelttechnik veraltet – Branchen, die zu den deutschen Paradedisziplinen zählen.

Im Gespräch mit FINANCE-TV bremst  Mario Jung vom Kreditversicherer Coface allerdings die Euphorie: „Der Iran hat erhebliches Potential. Allerdings gibt es auf der Ebene der einzelnen Unternehmen noch erhebliche Risiken.“ Coface bewertet das Land deshalb mit einem D-Rating und damit auf der schlechtesten Stufe. Darin spiegelt sich vor allem die Einschätzung, dass die Gefahr von Forderungsausfällen sehr hoch ist.

Wie hoch das Risiko genau ist, lässt sich für den Kreditversicherer allerdings nur schwer beurteilen, denn die notwendigen Informationen fehlen: „Wir haben Probleme bei der Beschaffung von Unternehmensbilanzen im Iran“, berichtet Jung. „Außerdem muss zunächst wieder ein Inkasso-System aufgebaut werden.“ Unter diesen Umständen sieht sich Coface derzeit nicht in der Lage, Kreditversicherungen im Iran anzubieten. Und Jung ist zumindest skeptisch, dass sich dies in den kommenden Monaten ändern wird.

Welche Rolle die nach wie vor bestehenden US-Sanktionen gegen den Iran in den Überlegungen von Coface spielen und was der Kreditversicherer deutschen Finanzabteilungen rät – Jungs Antworten hier bei FINANCE-TV.

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Die Russland-Sanktionen der EU laufen Ende Juli aus. Einige deutsche Unternehmen spekulieren bereits darauf, dass die Sanktionen nicht verlängert werden. „In Russland ist der Tenor klar: Die Sanktionen kippen auf jeden Fall“, sagt Thomas Heidemann, Partner bei der Wirtschaftskanzlei CMS, im Interview mit FINANCE-TV. Wie er die Chancen für ein Ende der Sanktionen einschätzt und warum selbst ein Ende der Sanktionen noch keine Trendwende für das Russland-Geschäft deutscher Unternehmen bedeuten würde – Heidemanns Antworten sehen Sie hier.

Das Russland-Geschäft bereitet deutschen CFOs großes Kopfzerbrechen: Die Zahlungsausfälle in dem Land sind zuletzt nach oben geschnellt, und damit auch die Entschädigungen, die Kreditversicherer leisten müssen. „Es wird in Russland zunehmend schwieriger, geltendes Recht durchzusetzen und Forderungen per Inkasso einzutreiben“, sagt Jochen Böhm, Risk Underwriting Director bei Coface. Wie der Kreditversicherer darauf reagiert und welche Absicherungsmöglichkeiten CFOs in Russland jetzt noch haben – Böhms Antworten hier bei FINANCE-TV.

In den vergangenen Wochen ist eine ganze Schwemme an Mini-Bonds in den Handel gegangen: Golfino, Mi-Tec und Royal Beach sind nur drei der Emittenten, deren Anleihen jüngst angeboten wurden. Für Roger Peeters, Vorstand bei Close Brothers Seydler Research ergibt sich ein „heterogenes Bild“. „Je mehr angeboten wird, desto bunter wird die Palette.“ Dies sei solange nicht schlimm, wie die Anleger für das erhöhte Risiko durch einen höheren Kupon entschädigt würden.

Insgesamt sieht er den Markt schon auf einem „vernünftigen Niveau.“ Viele Anleihen notierten nicht unter pari. Die Insolvenz von SIAG Schaaf sieht er als einen „Geburtsfehler“ des neuen Marktsegments, aber nicht als eine Gefährdung. Gleichwohl erwartet der Investmentbanker 2012 noch einen weiteren Ausfall. Welche Unternehmen er für kapitalmarktfähig hält und welche nicht, erfahren Sie im Interview bei FINANCE-TV.