Treasury
30.07.15 11:55

Das Russland-Geschäft bereitet deutschen CFOs großes Kopfzerbrechen: Die Zahlungsausfälle in dem Land sind zuletzt nach oben geschnellt, und damit auch die Entschädigungen, die Kreditversicherer leisten müssen. „Es wird in Russland zunehmend schwieriger, geltendes Recht durchzusetzen und Forderungen per Inkasso einzutreiben“, sagt Jochen Böhm, Risk Underwriting Director bei Coface. Wie der Kreditversicherer darauf reagiert und welche Absicherungsmöglichkeiten CFOs in Russland jetzt noch haben – Böhms Antworten hier bei FINANCE-TV.

Kreditversicherer Coface schaut bei russischen Risiken genauer hin

Der Kreditversicherer Coface bewertet das durchschnittliche Ausfallrisiko eines B2B-Geschäfts in Russland derzeit als „hoch“ (Ratingklasse C), das ist die zweithöchste der insgesamt sieben Kategorien. Damit steht Russland auf einer Stufe zum Beispiel mit Kongo oder Argentinien. „Die Zahlungsausfälle, die letztlich in Entschädigungen münden, sind sprunghaft angestiegen“, sagt Jochen Böhm, Risk Underwriting Director bei Coface im Interview mit FINANCE-TV.

Das bringt auch den Mainzer Kreditversicherer – für den Russland bis zum Ausbruch der Krise ein sehr attraktiver Markt war – in eine schwierige Lage, wie Böhm einräumt. Coface hat deshalb Konsequenzen gezogen und die Vergaberichtlinien für neue Kreditversicherungen mit russischen Abnehmern verschärft. Das Neugeschäft in Russland generell zurückzufahren, schließt Böhm – anders als einige seiner Wettbewerber – klar aus: „Es gibt auch in schlechten Ländern gute Unternehmen“, sagt Böhm. „Wir müssen daher das individuelle Risiko in den Blick nehmen und stärker manuell prüfen als in anderen Ländern.“

Aber Böhm hat auch gute Nachrichten für CFOs: „Es sieht so aus, als sei der Peak der Zahlungsausfälle erreicht. Wir haben zuletzt einen leichten Trend nach unten verzeichnet.“ Wie Böhm das Risikomanagement deutscher Unternehmen in Russland einschätzt und wie der Kreditversicherer mit den Sanktionen umgeht, sehen Sie hier bei FINANCE-TV.

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