Corporate Bonds
22.08.16 11:55

Der Schuldscheinmarkt boomt. In den ersten sechs Monaten hat der Markt mit einem Emissionsvolumen von über 13 Milliarden Euro erneut einen Rekord aufgestellt. Doch mit dem Hype wachsen auch die Zweifel: „Einige der Debütemittenten sind nicht kapitalmarktfähig“, warnt Gerald Christoph Dorsch, Leiter Credit Rating bei Feri EuroRating. Welche Entwicklungen dem Rating-Spezialisten besondere Sorgen bereiten, warum er den Trend zu Jumbo-Transaktionen kritisch sieht und wie Dorsch die Rolle der arrangierenden Banken einschätzt – das sehen Sie nur hier bei FINANCE-TV.

Ratingexperte Dorsch: Jumbo-Schuldscheine brauchen andere Dokumentation

Über viele Jahre galt der Schuldschein als Nischenfinanzierung. Unternehmen mit Investmentgrade-Rating nutzten das Instrument, um ihre Finanzierung zu diversifizieren. Das ändert sich gerade: Die auf Unternehmensfinanzierung spezialisierte Beratung Capmarcon zählte im ersten Halbjahr dieses Jahres 53 Schuldscheintransaktionen in Höhe von 13,26 Milliarden Euro. In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres waren es gerade einmal 9,11 Milliarden Euro – und auch dieser Wert war im langjährigen Vergleich schon hoch.

„Immer mehr Unternehmen nutzen den Schuldschein als Hauptfinanzierungsinstrument“, sagt Gerald Christoph Dorsch, Leiter Credit Rating bei Feri EuroRating im Gespräch mit FINANCE-TV. Statt einer Anleihe entscheiden sich viele CFOs für einen Schuldschein: Allein im ersten Halbjahr platzierte der Sportwagenhersteller Porsche einen Mega-Schuldschein über 1,1 Milliarden Euro, der Schweizer Zementkonzern LafargeHolcim sammelte rund 1 Milliarde Euro ein. Heidelberg Cement und K+S konnten 625 beziehungsweise 600 Millionen Euro aufnehmen. Dorsch sieht diese Jumbo- Transaktionen kritisch: „Die Dokumentation ist für solche Volumina nicht ausreichend: Es gibt kein Wertpapierprospekt und die Mittelverwendung wird nicht transparent gemacht.“

Für viele CFOs macht die einfache Dokumentation gerade den Reiz des Schuldscheins aus. Sollte es aber zu Restrukturierungen kommen – etwa weil die Konjunktur einbricht – drohen schwierige Gespräche mit den Investoren. Dorsch warnt bereits vor steigenden Ausfallraten in dem wenig transparenten Segment. Sorgen bereitet ihm, dass immer mehr Mittelständler in Refinanzierungsnöten den Markt anzapfen: „Die Standard-Mezzanine-Programme laufen aus und der Markt für Mittelstandsanleihen ist im Niedergang begriffen“, sagt Gerald Christoph Dorsch, Leiter Credit Rating bei Feri EuroRating im Gespräch mit FINANCE-TV. Der Schuldschein ist für viele dieser Unternehmen eine willkommene Alternative. Capmarcon zufolge nutzen 40 Prozent aller Emittenten im ersten Halbjahr den Schuldschein zum ersten Mal.

Wie dieser Trend die Bonitäten am Schuldscheinmarkt beeinflusst und ob die Verzinsung noch das Risiko widerspiegelt – Dorschs Einschätzungen hier bei FINANCE-TV.

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Kampfansage an die drei großen Ratingagenturen: „Wir wollen die europäische Alternative zu Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch werden, der europäische Player in diesem Oligopol“, kündigte Scope-Chef Torsten Hinrichs im Interview mit FINANCE-TV an. Mittelfristig strebt Scope im deutschen Corporate-Rating-Markt einen zweistelligen Marktanteil an. Wie genau Scope-Chef Hinrichs den großen Drei das Fürchten lehren will und was für CFOs dabei herausspringt – die Antworten nur hier im heutigen Talk von FINANCE-TV.

Die Ausgabe ungerateter Bonds dürfte im Mittelstandssegment bald der Vergangenheit angehören, prognostiziert Lutz Weiler, Vorstandschef der Investmentbank Equinet. Eine gute Alternative für Mittelständler seien nach wie vor Mezzanine-Finanzierungen – wenn die Unternehmen denn attraktive Kupons finanzieren können. Bankkredite dürften laut Weiler hingegen deutlich knapper vergeben werden. Welche Rolle die Ratingagenturen bei der Mittelstandsfinanzierung spielen und wie sich die Kupons entwickeln werden – erfahren Sie hier bei FINANCE-TV.

Die Refinanzierung von Techem über fast 1,3 Milliarden Euro war eine der größten Transaktionen des Jahres. Für Steffen Bätjer (43), seit drei Jahren CFO beim Eschborner Energiedienstleister ist, war sie ein voller Erfolg. Es gelang dem Portfoliounternehmen im Besitz der australischen Bank Macquarie, die Laufzeiten zu verlängern, die Finanzierungsquellen zu diversifizieren, Swaps der vorherigen Bankfinanzierung abzulösen und noch immer Zinskosten einzusparen. Rund 1,6 Millionen Euro weniger muss Techem nun im Jahr berappen.

 

Die Blockchain-Technologie wird die Platzierung von Schuldscheinen gravierend vereinfachen. Davon ist die Landesbank Baden-Württemberg nach ihrem Testlauf mit Daimler überzeugt. „Wir konnten Effizienzsteigerungen von 50 Prozent verzeichnen“, berichtet Joachim Erdle, Leiter Corporate Finance bei der LBBW, bei FINANCE-TV. Ob es mit Hilfe dieser Verbesserungen für Firmenkunden billiger wird, was die LBBW nach der Daimler-Transaktion als nächstes vor hat und wann der Blockchain-Schuldschein in Serie gehen soll, das sehen Sie nur hier bei FINANCE-TV.

Der Passauer Hemdenhersteller Eterna hat gestern innerhalb von nur zwei Stunden 35 Millionen Euro platzieren können. Der mit 8 Prozent verzinste erste Mini-Bond eines Private-Equity-geführten Unternehmens ging zu 57 Prozent an institutionelle Investoren und zu 43 Prozent an Privatanleger. Allerdings muss Eterna deutlich mehr bezahlen als der Bielefelder Hemdenhersteller Seidensticker , dessen im Frühjahr begebene 6-jährige Anleihe (7,25 Prozent-Kupon) bei 106 notiert. Das entspricht einer aktuellen Rendite von 5,8 Prozent. Auch das Rating ist mit BB- (Creditreform) schwächer.

 

„Eterna hat eine hohe Refinanzierungsfähigkeit nachgewiesen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Peter Rentsch im FINANCE-TV-Interview. Und verspricht: „Das Geld bleibt im Unternehmen.“ Durch die Anleiheemission hat der Konzern seine finanzielle Flexibilität deutlich erhöhen können. Wie lange die beiden seit 2006 engagierten Finanzinvestoren Quadriga Capital und Alpha noch im Konzern bleiben wollen und wie Eterna seinen Wertschöpfungsanteil weiter erhöhen will, erfahren Sie im Interview bei FINANCE-TV.

 

Der Bondmarkt boomt: In den ersten zwei Wochen 2017 haben Unternehmen Euro-Anleihen über 17 Milliarden Euro platziert – so viel wie seit über vier Jahren nicht mehr. „2017 gilt: Je früher man an den Markt geht, desto besser“, sagt Christoph Paul, DCM-Banker bei der Crédit Agricole CIB im Interview mit FINANCE-TV. Denn die exzellenten Konditionen aus dem vergangenen Herbst sind wohl passé. Warum das so ist und wie die Zinswende konkret abläuft – Pauls Prognosen hier bei FINANCE-TV.