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30.09.15 11:55

Kampfansage an die drei großen Ratingagenturen: „Wir wollen die europäische Alternative zu Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch werden, der europäische Player in diesem Oligopol“, kündigte Scope-Chef Torsten Hinrichs im Interview mit FINANCE-TV an. Mittelfristig strebt Scope im deutschen Corporate-Rating-Markt einen zweistelligen Marktanteil an. Wie genau Scope-Chef Hinrichs den großen Drei das Fürchten lehren will und was für CFOs dabei herausspringt – die Antworten nur hier im heutigen Talk von FINANCE-TV.

Kampfansage an S&P & Co.: Scope will europäische Ratingagentur werden

Mit Fehleinschätzungen bei den Bonitäten einiger Emittenten von Mittelstandsanleihen schien Scopes Vorstoß vom Fonds- in das Unternehmensrating-Geschäft schon verpufft zu sein. Doch dann holte Scope-Gründer Florian Schoeller den langjährigen Deutschlandchef des Marktführers S&P, Torsten Hinrichs, an die Spitze der kleinen Berliner Ratingagentur. Gleichzeitig stiegen eine Reihe bekannter Unternehmer wie Stefan Quandt, Manfred Gentz und Hermann Simon bei Scope ein und legten dafür mehrere Millionen Euro auf dem Tisch. Geld, mit dem Hinrichs nun versucht, Scope im Corporate-Geschäft zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber von S&P, Moody’s und Fitch zu machen. „Wir wollen die europäische Alternative zu diesen drei großen Agenturen werden, der europäische Player in diesem Oligopol“, sagte Scope-Chef Torsten Hinrichs im Interview bei FINANCE-TV.

Sein Ratinggeschäft unterteilt Scope in vier Bereiche: Im Bereich „Alternative Investment Fonds“ ist das alte Stammgeschäft gebündelt. Dafür holte Scope den langjährigen Fitch-Manager Stefan Bund an Bord. Der Wachstumsfokus liegt aber auf den Säulen Banken, Unternehmen und strukturierte Finanzprodukte, die Scope seit 2012 vorantreibt. Für CFOs am interessantesten ist der Corporate-Bereich, den seit kurzem der langjährige S&P-Ratingspezialist Olaf Tölke leitet. Doch dort steht Scope noch am Anfang, seit 2012 hat die Agentur lediglich 35 Unternehmens- beziehungsweise Anleiheratings vergeben.

Mit einem anderen Ratingansatz als die  anderen Agenturen wirbt Hinrichs nun um zusätzliche Firmenkunden: „Wir wollen aussagekräftigere Ratinganalysen als die großen Drei machen, verbunden mit einer europäischen Sichtweise, zum Beispiel bei der Einschätzung von Pensionsrisiken.“ Der Fokus liegt auf Mid- und Large-Cap-Unternehmen, auf die Scope laut Hinrichs erst seit wenigen Monaten aktiv zugeht. Im Mittelstandsmarkt, wo Hinrichs „kein Wachstum sieht“, will sich Scope auf Kunden mit guter Bonität konzentrieren, die Schuldscheine ausgeben. „In den Mini-Bond-Markt wollen wir nicht wieder zurück“, machte Hinrichs klar.

Mit den Wachstumsplänen einher geht auch eine deutliche Ausweitung der lokalen Präsenz in Europa. Bis vor einem Jahr war Scope lediglich in Berlin und London präsent. Seit Hinrichs‘ Amtsantritt kamen bereits Büros in Frankfurt, Paris und Madrid hinzu. „Im Moment wachsen unsere Kosten schneller als der Umsatz“, gibt Hinrichs zu. Aber mittelfristig sollen sich diese Anschubinvestitionen auszahlen. Hinrichs glaubt, dass es Scope durchaus gelingen kann, im deutschen Corporate-Rating-Geschäft einen zweistelligen Marktanteil zu erobern. Das ganze Interview mit Torsten Hinrichs sehen Sie hier bei FINANCE-TV. 

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Die Ratingagentur Scope nimmt unaufgefordert alle Emittenten von Mittelstandsanleihen unter die Lupe. Nach den ersten 17 Bewertungen ist die Richtung schon klar: Die Scope-Ratings liegen zum Teil viele Notches schlechter als die bestehenden Ratings: „Qualitative Aspekte wie ein gutes Controlling oder funktionierende Prozesse können über wenig Eigenkapital und schwankende Liquidität nicht hinwegtäuschen“, verteidigt Scope-Chef Thomas Morgenstern bei FINANCE-TV seinen quantitativen Ratingansatz und seine schlechteren Bewertungen. „Insofern muss man auch nicht überrascht sein, dass wir bei Mittelstandsanleihen auch schon erste Ausfälle gesehen haben.“ Was er mit seinem Massen-Rating bezweckt und was er zu dem Vorwurf sagt, er wolle die Emittenten nur erpressen – hier bei FINANCE-TV.

Ekosem, Stauder, MS Deutschland: Seit Wochen rollt eine gewaltige Emissionswelle über den Markt für Mittelstandsanleihen, am Jahresende werden noch mehr Mini-Bonds platziert worden sein als im bisherigen Rekordjahr 2011. Viele Beobachter argwöhnen jedoch, dass die Kreditqualität immer schlechter wird, sowohl bei den bestehenden als auch bei den neuen Emittenten – eine These, die Michael Munsch, Chef von Creditreform Rating, klar zurückweist: „Wir sehen keine geravierende Verschlechterung der Kreditqualität“, sagt er bei FINANCE-TV. Trotz erster Ausfälle hält der Chef des Ratingsmarktführers bei Mini-Bonds Vergleiche mit dem Neuen Markt für unangebracht: „Wir rechnen mit keiner unnormalen Entwicklung bei den Ausfallraten. Wenn in zwei, drei Jahren die ersten Refinanzierungen gelingen, gebe ich diesem Marktsegment eine große Chance.“

 

Wieso er die Kritik an den Creditreform-Ratings als überzogen zurückweist, wie die Ratingagentur zu ihren Einschätzungen kommt und was er von der Qualität der Ratings des Erzrivalen Scope hält – das ganze Interview nur hier bei FINANCE-TV.

Die sinkende Bonität zahlreicher Banken hat die Risikopuffer der Covered-Bond-Ratings zusammenschmelzen lassen, warnt Ratinganalystin Sabrina Miehs von S&P bei FINANCE-TV. „Die Covered-Bond-Ratings dürfen maximal sieben Ratingstufen über den Ratings der emittierenden Banken liegen. Die AAA-Covered-Bonds haben jetzt im Schnitt nur noch zwei Ratingstufen Puffer. Das wird nur genügen, wenn der Stress im Bankensystem moderat bleibt.“ Doch Miehs mahnt auch dazu, die wachsenden Länderrisiken nicht außer Acht zu lassen. Ihre detaillierte Marktanlayse – hier im FINANCE-Talk.

Eine Akquisitionsfinanzierung für einen laufenden M&A-Prozess aufsetzen, eine bestehende Kreditlinie refinanzieren, ein innovatives Finanzprodukt zur Ablösung der M&A-Brückenfinanzierung etablieren: Das Treasury-Team von Nordex musste in diesem Jahr gleich eine ganze Serie an komplexen Transaktionen parallel bewältigen.

Für diese Leistung hat das Team um Torsten Hinsche, Head of Corporate Finance & Treasury, auf der diesjährigen Structured FINANCE von der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer den Preis für das Treasury des Jahres 2016 erhalten. Wie das Team die Komplexität bewältigt hat und wie die Idee für den ersten „Green Schuldschein“ entstand, verrät Torsten Hinsche im Talk bei FINANCE-TV.

Seit 2009 hat die Holding Franz Haniel drei Anleihen begeben, zuvor hatte sich der Konzern von einer Ratingagentur durchleuchten lassen. Damit hat das Familienunternehmen einen Schritt gewagt, der vielen privatgeführten Konzernen schwerfällt: die Öffnung gegenüber dem Kapitalmarkt. „Diesen Schritt muss man früh intern kommunizieren“, rät Dr. Axel Gros, Leiter Finanzen bei Franz Haniel & Cie. Welche Tipps er Kollegen mit auf den Weg gibt, wie er zu Ratingagenturen steht und warum ihm die zunehmende Regulierung des Kapitalmarkts Sorgen bereitet, erklärt er im Interview mit FINANCE-TV.

Die Ausgabe ungerateter Bonds dürfte im Mittelstandssegment bald der Vergangenheit angehören, prognostiziert Lutz Weiler, Vorstandschef der Investmentbank Equinet. Eine gute Alternative für Mittelständler seien nach wie vor Mezzanine-Finanzierungen – wenn die Unternehmen denn attraktive Kupons finanzieren können. Bankkredite dürften laut Weiler hingegen deutlich knapper vergeben werden. Welche Rolle die Ratingagenturen bei der Mittelstandsfinanzierung spielen und wie sich die Kupons entwickeln werden – erfahren Sie hier bei FINANCE-TV.