Finanzierung
29.04.13 11:55

Die niedrigen Kapitalmarktzinsen reißen gewaltige Löcher in die Bilanzen von Deutschlands Großkonzernen. Mehr als 300 Milliarden Euro haben die Dax-Konzerne bereits an Pensionsverpflichtungen angehäuft, und die Löcher werden immer größer, wie Jörg Ambrosius, Deutschlandchef des Finanzdienstleisters State Street, bei FINANCE-TV vorrechnet. Das hat Folgen: „Viele Konzerne müssen Milliarden in ihre Pensionspläne einschießen. Manche nehmen die Pensionsschulden aus ihren Bilanzen heraus, und viele Pensionseinrichtungen erhöhen bei ihrer Anlagestrategie das Risiko“, beobachtet er. Was genau dort gerade passiert und ob Deutschlands CFOs das Schlimmste erst noch bevorsteht – die Antworten hier bei FINANCE-TV.

300 Milliarden Euro: Gewaltiges Pensionsloch in Deutschlands Konzernen

Auf mehr als 300 Milliarden Euro belaufen sich die Pensionsverpflichtungen der Dax-Konzerne inzwischen, aus dem gehobenen Mittelstand sind weitere 24 Milliarden bekannt. „Die Löcher in den Pensionsplänen sind im vergangenen Jahr von Quartal zu Quartal weiter gewachsen“, berichtet Jörg Ambrosius, Deutschlandchef des Finanzdienstleisters State Street, bei FINANCE-TV.

Auslöser der Zuspitzung sind die niedrigen Kapitalmarktzinsen. Aktuell schreiben die internationalen Bilanzierungsvorschriften CFOs einen Abzinsungsfaktor von 2,7 Prozent auf Pensionsverpflichtungen vor – Ende 2010 waren es noch 4,7 Prozent, 2008 sogar fast 7 Prozent. Der niedrige Faktor treibt die bilanziellen Schulden und die Unterdeckungen der Pensionspläne in die Höhe. Gleichzeitig belasten die niedrigen Zinsen die Erträge, die ausgelagerte Pensionseinrichtungen aktuell erzielen. Während viele Unternehmen laut Ambrosius ihren Pensionären eine Mindestverzinsung von 4 Prozent pro Jahr zugesagt haben, rentieren AAA-Staatsanleihen zurzeit bei weniger als 2 Prozent. Und auch wer im Corporate-Bond-Bereich nach höheren Renditen sucht, muss für mehr als 4 Prozent schon tief in den Highyield-Markt vordringen. Viele CFOs wissen sich nicht anders zu helfen als Post-CFO Larry Rosen und Bayer-CFO Werner Baumann: Beide Dax-CFOs haben im vergangenen Jahr mehr als 1 Milliarde Euro Cash in ihre Pensionspläne eingeschossen, um zumindest einen Teil des Pensionslochs zuzuschütten.

Das Problem dürfte sich laut Ambrosius noch verschärfen. Der State-Street-Chef erwartet, dass sich die Pensionslöcher im laufenden Jahr weiter vergrößern und viele CFOs gezwungen sein werden, Cash nachzuschießen. Parallel dazu machen sich die Manager der Pensionseinrichtungen auf die Suche nach höher rentierlichen Anlagen – Assetklassen wie Private Equity und Infrastruktur gewinnen an Attraktivität. Doch dort lauert schon das nächste Problem, meint Ambrosius: „Leider bietet der deutsche Markt dafür zurzeit nicht genügend Anlageobjekte.“ Damit steht zu befürchten: Das Pensionsproblem wird auf der Agenda vieler CFOs noch weiter nach oben wandern.  

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Das Niedrigzinsumfeld reißt bei vielen Industriekonzernen ein Loch in die Pensionskasse. Die CFOs reagieren und schichten bei der langfristigen Geldanlage um: „Die Emerging Markets und der Corporate-Bond-Markt in den USA gewinnen als Anlageziel an Beliebtheit“, berichtet Tobias Löschmann, Co-Head of Institutional Sales bei Pioneer Investments, im Interview bei FINANCE-TV. Welche Renditeerwartungen realistisch sind, wie es um die Anleihe als Assetklasse bestellt ist und warum sogenannte Absolute-Return-Strategien an Bedeutung gewinnen – Löschmanns Tipps und Antworten hier bei FINANCE-TV.

Die Zinswende in den USA trifft auch deutsche CFOs: Die Finanzierung in US-Dollar wird teurer, gleichzeitig drängen immer mehr amerikanische Unternehmen auf den vergleichsweise günstigen Euro-Anleihemarkt: „US-Unternehmen arrangieren sich schneller mit der neuen Situation, europäische Finanzchefs sind preissensibler“, sagt Jörg Sautter, Leiter des Debt Capital Markets Geschäfts der Citibank in der DACH-Region. Was er deutschen CFOs im Hinblick auf Euro-Emissionen rät, warum es sich lohnen kann, am US-Dollar-Bondmarkt schnell zu sein, und wie er die weiteren Schritte der US-Notenbank Fed einschätzt – Sautters Antworten hier bei FINANCE-TV.

Der Markt für Finanzfachkräfte ist leergefegt. Besonders Unternehmen in der Provinz tun sich schwer, ihre Posten neu zu besetzen. Besonders gefragt unter den Finance-Professionals sind Treasurer und Controller, sagt Erik Heinrich, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Trifinance. Gesucht werden Controller, die nach Ausbildung und Studium schon drei bis fünf Jahre Berufserfahrung haben. Wenn diese auch noch IT-affin sind und gängige ERP-Programme wie SAP oder Oracle beherrschen, werden diese immer attraktiver. Im Bereich Accounting ist der Markt dagegen noch entspannter, es sei denn es werden Fachkenntnisse etwa in IFRS und US-GAAP gefragt.

 

Schon heute werden Fachkräfte aggressiv umworben, sagt Heinrich. Wie CFOs bei den Controllern punkten können und wie sie sich im Fall der Kündigung geschickt verhalten, erfahren Sie im Interview bei FINANCE-TV.

 

Ein beinharter Wettbewerb und zu hohe Schulden haben die Werkstattkette A.T.U an den Rand der Pleite gebracht. Nach einem Haircut, für den insbesondere die Anleihezeichner, aber auch der Ex-Eigentümer KKR, Verzicht üben mussten, steht nun die Neuausrichtung an. Eine Finanzspritze des neuen Mehrheitseigners Centerbridge sollen nun den Neuanfang ermöglichen: „Wir können jetzt wieder investieren“, sagt CFO Christian Sailer. Bei FINANCE-TV berichtet Sailer vom Überlebenskampf von A.T.U und sagt, wie die Werkstattkette bei der operativen Neuaufstellung vorankommt.

Seit dem Sommer geht es am Bondmarkt nicht mehr vorwärts, die Emissionsbedingungen für CFOs verschlechtern sich nach und nach. Das hat Folgen: „Der Jahresstart war deutlich schwächer als 2015“, berichtet Paula Weißhuber, Leiterin des deutschen Debt-Emissionsgeschäfts der Bank of America Merrill Lynch bei FINANCE-TV. Ihr Rat an CFOs: „Timing wird in den nächsten Monaten extrem wichtig sein.“ Was Finanzchefs für ihre Fundingstrategie jetzt wissen müssen und warum sie unbedingt darauf achten sollten, was die Blue-Chip-Konzerne aus den USA in den nächsten Wochen machen – Paula Weißhubers Antworten nur hier bei FINANCE-TV.

Der Passauer Hemdenhersteller Eterna hat gestern innerhalb von nur zwei Stunden 35 Millionen Euro platzieren können. Der mit 8 Prozent verzinste erste Mini-Bond eines Private-Equity-geführten Unternehmens ging zu 57 Prozent an institutionelle Investoren und zu 43 Prozent an Privatanleger. Allerdings muss Eterna deutlich mehr bezahlen als der Bielefelder Hemdenhersteller Seidensticker , dessen im Frühjahr begebene 6-jährige Anleihe (7,25 Prozent-Kupon) bei 106 notiert. Das entspricht einer aktuellen Rendite von 5,8 Prozent. Auch das Rating ist mit BB- (Creditreform) schwächer.

 

„Eterna hat eine hohe Refinanzierungsfähigkeit nachgewiesen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Peter Rentsch im FINANCE-TV-Interview. Und verspricht: „Das Geld bleibt im Unternehmen.“ Durch die Anleiheemission hat der Konzern seine finanzielle Flexibilität deutlich erhöhen können. Wie lange die beiden seit 2006 engagierten Finanzinvestoren Quadriga Capital und Alpha noch im Konzern bleiben wollen und wie Eterna seinen Wertschöpfungsanteil weiter erhöhen will, erfahren Sie im Interview bei FINANCE-TV.