Wann kommt sie, die befürchtete Korrektur am Aktienmarkt?

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07.07.21
Asset Management

Aktienmarkt: die Angst vor der Korrektur

Auch Treasurer setzen bei der langfristigen Geldanlage inzwischen längst stärker auf Aktien. Ihr hoher Anteil könnte im Fall einer Marktkorrektur aber zur Gefahr werden. Doch man kann gegensteuern.

Weltweit jagen die Aktienmärkte von Rekord zu Rekord. „Die Stimmung an den Märkten ist derzeit extrem positiv – insgesamt rechnen die Marktteilnehmer mit einer erfolgreichen Bekämpfung der Pandemie“, erklärt Wolfgang Murmann, der bei Insight Investment für Risikomanagementlösungen für deutsche institutionelle Anleger verantwortlich ist. Für Pessimismus sei wenig Platz.

Doch die hohen Preise bei Aktien – und auch fast allen anderen Assetklassen – seien mit Vorsicht zu betrachten. „Man sollte sich bewusst sein, dass die Aktienmärkte erst zwei Mal so hohe Bewertungsniveaus erreicht haben – ein Mal vor der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre und ein Mal vor dem Platzen der Dotcom-Blase“, so Murmann. Angesichts der Fundamentaldaten der Unternehmen seien Zweifel an den hohen Bewertungsniveaus durchaus gerechtfertigt. „Es stellt sich deshalb eigentlich nicht die Frage, ob eine Korrektur kommt, sondern wann“, sagt er.

Deutlich höhere Aktienquoten bei CTAs

Für Corporate Treasurer ist das vor allem in der langfristigen Geldanlage relevant. Gerade beim Pensionsvermögen setzen Unternehmen inzwischen viel stärker auf Aktien, als das früher der Fall war. Laut der „Mercer Asset Allocation Survey 2020“ lag die Aktienquote bei deutschen CTAs bei 35 Prozent, der Anteil liquider Anleihen mit Investmentgrade-Qualität bei 33 Prozent. „2010 waren es weniger als 5 Prozent Aktien und 85 Prozent Anleihen“, erklärt Murmann.

Eine mögliche Korrektur an den Aktienmärkten würde Unternehmen deshalb deutlich stärker treffen, als das früher der Fall gewesen wäre. Der Grund liegt auf der Hand: das anhaltende Niedrigzinsumfeld. „Wir haben in den Portfolien der Unternehmen außerdem eine deutlich stärkere Diversifizierung und Internationalisierung gesehen“, so Murmann. Zudem hätten Treasurer die Anforderungen an die Kreditqualität heruntergeschraubt, um die notwendigen Renditen zu erwirtschaften.

In der aktuellen Marktphase sollten Treasurer diesen Aspekt wieder stärker unter die Lupe nehmen. „Es empfiehlt sich, bei den niedrigen Zinsen und den hohen Bewertungsniveaus wieder stärker auf Fundamentalanalysen zu setzen, um Ausfälle zu vermeiden“, sagt er. Mit Blick auf die derzeitige Ausrichtung der Kapitalanlage lasse sich festhalten, dass das Risikomanagement im Allgemeinen an Bedeutung gewinne. „Beispielsweise ist es bei den hohen Aktienquoten wichtig, sich auch über eine gute Downside Protection Gedanken zu machen“, betont er.

Koegler[at]derTreasurer.de


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