Die Bafin macht sich mit einem Vorstoß zur Regulierung von nachhaltigen Fonds nicht nur Freunde. Allerdings ist sie den Kritikern im zweiten Vorstoß schon deutlich entgegengekommen.

Kai Hartmann Photography - Bafin

16.08.21
Asset Management

Bafin nimmt Greenwashing ins Visier

Ist bei nachhaltigen Fondsprodukten wirklich drin was draufsteht? Die Bafin sieht ein wachsendes Risiko für Greenwashing und will deshalb Mindestanforderungen festlegen.

In der Fondsbranche ist die Debatte darüber entbrannt, was wirklich nachhaltig ist. Prominent durch die Presse ging der Fall DWS: Die ehemalige ESG-Chefin Desiree Fixler warf der Deutsche-Bank-Tochter vor, die eigene Nachhaltigkeitsleistung zu positiv darzustellen – ein Vorwurf, den die DWS zurückwies. Doch auch über den Einzelfall hinaus herrscht Unsicherheit. Investoren müssen selbst entscheiden, ob ein Nachhaltigkeitsansatz ihren Ansprüchen genügt, wirkliche Mindestanforderungen gibt es nicht.

Die Bafin will Anleger daher vor der aus ihrer Sicht „steigenden Gefahr“ von Greenwashing schützen. Deshalb hat die Behörde jetzt einen neuen Entwurf für eine Richtlinie für nachhaltiges Investmentvermögen vorgelegt. Als nachhaltig vermarktete Publikumsfonds müssten demnach künftig einen Anteil von mindestens 75 Prozent an nachhaltigen Assets vorweisen.

Ursprünglich wollte die Bafin den Schwellenwert auf 90 Prozent setzen, nach heftiger Kritik aus der Fondsbranche lenkte die Finanzaufsicht an dieser und einigen anderen Stellen aber ein. Der entschärfte Entwurf stößt in der Branche dennoch auf Kritik: Der Branchenverband BVI fürchtet, dass der Fondsstandort Deutschland Schaden nehmen könnte. Die Regelung erfasst schließlich nur hierzulande aufgelegte Fondsprodukte.

Konkurrierende ESG-Regulierungen

Die Sorge, dass zu viele grüne Labels auf wenig nachhaltigen Produkten kleben, kann Caroline Herkströter, Rechtsanwältin von Norton Rose Fulbright, gut verstehen. Aus ihrer Sicht wirft der Vorstoß der Bafin allerdings für die konkrete Umsetzung eine Reihe von Fragen auf. Zum einen enthalte er einige unklare Begriffe, die viel Interpretationsspielraum ließen.

Zum anderen stelle sich die Frage, wie die Richtlinie mit anderen regulatorischen Vorgaben harmoniere. „Deutsche Anlageberater müssen sich nach MiFID II richten und künftig bei Anlegern Nachhaltigkeitspräferenzen erfragen. Gerade hier kann es zu Differenzen kommen: Werden sie ein Fondsprodukt als nachhaltig im Rahmen der Kriterien für Nachhaltigkeitspräferenzen anbieten, obwohl sich dieses nach der Bafin-Richtlinie nicht so nennen darf?“, fragt sie.

Laut der EU-Offenlegungsverordnung müssen Fonds, die mit einem Nachhaltigkeitsansatz werben, nur höhere Transparenzanforderungen erfüllen. Schwellenwerte gibt es für diese sogenannten Artikel-8-Fonds nicht –  ein Umstand, der zu heftigen Diskussionen geführt hat. Die EU-Kommission hat auf die Kritik – und damit auch auf den Vorstoß der Bafin –  bereits reagiert und will an Mindestanforderungen für diese Fonds arbeiten.

Koegler[at]derTreasurer.de

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