PwC-Partner Thorsten Gommel rät, Depotbankbeziehungen unter die Lupe zu nehmen

02.02.12 14:41

„Bei Depotbankmandaten ist viel Geld zu holen“

Von Andreas Knoch

Treasurer stellen die Beziehungen zu ihren Depotbanken immer häufiger auf den Prüfstand. Trotzdem sieht PwC-Partner Thorsten Gommel noch viel Luft für Überprüfungen und Neuausschreibungen.

Bjørn Erik Pedersen

Bei der Neuverhandlung von Depotbankmandaten sind qualitativ und monetär erhebliche Verbesserungen möglich.

>> Herr Gommel, Versicherer stellen ihre Depotbankbeziehungen regelmäßig auf den Prüfstand. Wie sieht das bei Corporates aus?

<< Im Zuge der Finanzkrise und des wachsenden Misstrauens Banken gegenüber überprüfen auch immer mehr Treasurer ihre Depotbankbeziehungen, vereinzelt werden auch neue Depotbankmandate ausgeschrieben. Unter dem Strich ist das Interesse an der Thematik aber noch überschaubar. Das wundert mich, denn mit professioneller Herangehensweise sind dort qualitativ und monetär erhebliche Verbesserungen erzielbar. Große deutsche Versicherungen haben in den jüngsten Neuausschreibungen ihrer Depotbankbeziehungen drastische Preissenkungen durchgesetzt.

>> Über welche Größenordnungen sprechen wir da?

<< Das hängt davon ab, wie lange das letzte Review zurücklag. Vor zehn Jahren kosteten große Depotbankmandate im zweistelligen Milliardenbereich im Durchschnitt acht Basispunkte. Heute sind diese Dienstleistungen für ein bis zwei Basispunkte zu haben. Preisvorteile um bis zu 50 Prozent sind daher keine Seltenheit. Allerdings erfolgen Neuausschreibungen oftmals nicht primär der Kosten wegen.

Thorsten Gommel - Bei Depotbankmandaten ist viel Geld zu holen

Thorsten Gommel

>> Sondern?

<<
Seit Beginn der Finanzkrise treten grundsätzliche Fragen der Stabilität, Bonität und Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells einer Depotbank in den Vordergrund. Dabei spielt auch eine Rolle, welcher Anteil der Assets in eigenen Lagerstellen weltweit unter direkter Kontrolle der Depotbank stehen. Als Kunde sollte man zugleich darauf achten, wie risikobehaftet die übrigen Geschäftsfelder der Depotbank sind und inwieweit tatsächlich eine Segregation der Eigen- von den Kundenbeständen in der Verwahrkette nachgewiesen werden kann. Zudem variieren Umfang und Qualität der angebotenen Lösungen der Depotbanken stark. So kann längst nicht jede Depotbank nachweisen, dass sie zur Abwicklung von OTC-Derivaten direkten Zugang zu entsprechenden Clearinghäusern hat und somit Adressenausfallrisiken wirksam reduzieren kann.

>> Ist eine Durchschau auf die Verwahrkette denn notwendig? Die Assets sind doch Sondervermögen.

<<
Das stimmt zwar. Aber erstens werden viele Assets als Direktanlagen geführt, und zweitens lässt sich die Segregation nicht in jedem Land so gut durchsetzen wie etwa in Deutschland. Je nach Jurisdiktion gibt es unterschiedliche Rechtsansprüche zur Herausgabe von Assets im Ernstfall. Auch sind nicht alle Einlagen im Insolvenzschutz segregiert. Das laufende Cashkonto eines Sondervermögens etwa ist regelmäßig Teil der Konkursmasse.

Knoch[at]derTreasurer.de