Walter Vorjohann

21.09.18
Asset Management

Bundesbank: Strafzinsen verbreiten sich weiter

Für Treasurer wird es immer schwerer, Strafzinsen zu umgehen. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Bundesbank.

Banken reichen Strafzinsen seit geraumer Zeit an Firmenkunden weiter. Eine aktuelle Analyse der Bundesbank zeigt allerdings, dass sich die Lage für Treasurer zuletzt sogar noch verschärft hat. „Immer mehr Banken nutzen die Option, die Finanzierungskosten zu senken, indem sie vor allem auf großvolumige Einlagen im Firmenkundengeschäft negative Zinsen vereinnahmen“, heißt es im Septemberbericht der Bundesbank.

Im Verlauf des vergangenen Berichtsjahres 2017 ist der Anteil der Banken, die volumengewichtet im Durchschnitt negative Sichteinlagen meldeten, von etwa 26 Prozent im Januar auf rund 50 Prozent im Dezember angestiegen.

Firmenkundengeschäft am stärksten betroffen

Die Weitergabe der Strafzinsen trifft dabei vor allem Firmenkunden, die große Summen bei den Banken parken. Wie schwierig es für Treasurer geworden ist, die negativen Einlagezinsen zu umschiffen, lässt sich daran ablesen, dass inzwischen knapp über 40 Prozent aller in dieser Umfrage gemeldeten Sichteinlagen im Firmenkundengeschäft negativ verzinst werden. Das Volumen stieg von Januar bis Dezember 2017 um 9 Prozentpunkte an.

Rund die Hälfte der Liquidität mit Negativzins liegt bei sieben Groß- und Landesbanken. Etwa ein weiteres Drittel der negativ verzinsten Gelder liegt bei 90 Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Insgesamt umfasst die Analyse 223 in Deutschland tätige Institute.

Die Weitergabe der negativen Zinsen an Unternehmenskunden dürfte noch so lange andauern, bis die Europäische Zentralbank eine Zinswende einleitet. Derzeit müssen Banken 0,4 Prozent an Zinsen bezahlen, wenn sie Liquidität bei der Zentralbank parken wollen. Seit Juni 2014, als die EZB den Einlagenzins zum ersten Mal ins Negative senkte, hat sich die Lage für Unternehmen verschärft. Mittlerweile sind sogar private Sparer davon betroffen.

Koegler[at]derTreasurer.de

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