Alternative Anlage forderungsbesicherte Wertpapiere

05.05.15 10:00

Corporates interessieren sich wieder für ABCP

Von Markus Dentz

ABCP war lange Zeit in Sippenhaft mit anderen strukturierten Produkten – zu Unrecht, wie sich inzwischen gezeigt hat. Die Forderungsverbriefung hat sich als krisenresistent erwiesen und bietet im Niedrigzinsumfeld eine Anlagealternative.

ABCP war lange Zeit in Sippenhaft mit anderen strukturierten Produkten – zu Unrecht, wie sich inzwischen gezeigt hat.

violetkaipa/iStock/Thinkstock/Getty Images

Tendenz steigend: Forderungsbesicherte Wertpapiere, kurz ABCP, werden für Unternehmen interessanter.

Auf der Suche nach Anlagealternativen ist eine Assetklasse wieder in den Fokus geraten: ABCP-Papiere.  Nach einer Umfrage unter sechs führenden Anbietern in Deutschland sind die Finanzierungsvolumina von Handelsforderungen in den vergangenen vier Jahren um stolze 73 Prozent gestiegen, bei Leasingfinanzierungen waren es 53 Prozent. Insgesamt wurden 2014 rund 12 Milliarden Euro Forderungen der Realwirtschaft verbrieft, erklärt der Report der Verbriefungsinitiative True Sale International. „Wir sehen ein starkes Wachstum bei ABCP-Finanzierungen“, bestätigt auch Dirk Dunker, Leiter der Firmenkundeverbriefung bei der DZ Bank in Frankfurt.

Die Investoren haben inzwischen wieder einen sehr hohen Appetit. „Wir spüren eine sehr hohe Nachfrage nach ABCP“, sagt Dunker. „Im Niedrigzinsumfeld haben die CPs noch einen Rendite-Pickup gegenüber vergleichbaren kurzfristigen Anlagealternativen.“ Besonders Treasury Abteilungen von Corporates haben die besicherten Papiere als Anlagemöglichkeit für sich wiederentdeckt. Hier sind auch bei Kurzläufern noch positive Renditen möglich. Bei alternativen Kurzfristanlagen erheben immer mehr Banken hingegen Strafzinsen.

In Sippenhaft mit anderen AB-Papieren

Schlagartig ins Blickfeld der Öffentlichkeit kam das Thema mit der Subprime-Krise. Obwohl ABCPs kurzlaufende Papiere sind, konnten sich einige ABCP-Programme nicht mehr halten, als die Investoren streikten. Banken hatten über sogenannte Arbitrage-Conduits im großen Stile Fristentransformation betrieben und zum Teil neben kurzlaufenden Forderungen auch langlaufende Immobilien-Kredite verkauft und durch Ausgabe kurzfristiger ABCP finanziert, die damals nicht mehr refinanziert werden konnten. „Der Markt traute allen AB-Papieren zeitweise nicht mehr“, erklärt Marc Wolf von der Crédit Agricole.

In der Folge waren die ABCP-Papiere bei vielen Investoren in Sippenhaft mit den Junkpapieren. Zu Unrecht, wie wir heute wissen, denn es gab kaum Ausfälle – selbst wenn ein Forderungsverkäufer pleiteging. Nach einer Untersuchung von sechs führenden deutschen ABCP-Banken unter der Regie der Verbriefungsinitiative True Sale Initiative lag der „erwartete Ausfall bei ABCP-Transaktionen […] dauerhaft deutlich unter demjenigen der verkaufenden Unternehmen selbst.“ Auch wenn die Ergebnisse sicher mit Vorsicht zu genießen sind, da die Anbieter an einer positiven Darstellung der Instruments interessiert sind, zeigen sie dennoch: ABCP konnte sich über die Verbriefungskrise hinweg im Markt etablieren.

Dentz[at]derTreasurer.de