Das negative Zinsumfeld weitet sich aus. Über die Strafzinsen der Depotbanken trifft es auch die langfristige Geldanlage.

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12.08.16
Asset Management

Depotbanken verlangen hohe Strafzinsen

Auch Depotbanken verlangen für Cash-Bestände, die Unternehmen bei ihnen vorhalten, negative Zinsen. Dabei schießen sie über die 40 Basispunkte hinaus, die die Europäische Zentralbank aufruft. Und die Lage könnte sich weiter verschärfen.

Strafzinsen sind längst ein Massenphänomen geworden, auch bei den Verwahrstellen für Pensions- oder sonstiges Sondervermögen. „Nach allem was wir hören, verlangen einige Depotbanken deutlich mehr als den negativen Einlagenzins der EZB für die Cash-Komponente, die Unternehmen bei ihnen halten“, sagt Thierry Ancona, Global Head of Corporate Clients von Amundi zu DerTreasurer.

Die Barbestände sind zwar meistens gering, allerdings haben Unternehmen bei den Cash-Komponenten ihrer Pensionsgelder oder Spezialfonds wenig Spielraum: „Dabei handelt es sich meist nicht um strategisch angelegte Gelder, sondern um Cash, das die Fonds brauchen, um arbeiten zu können“, erklärt Jeffrey Dissmann, Investmentexperte bei Mercer.

Er beobachtet eine Verschärfung der Situation: „Das liegt daran, dass sich der Einlagenzins häufig am Eonia orientiert.“ Der Zinssatz, zu dem sich Banken über Nacht untereinander Geld leihen, liegt im Moment bei rund -30 Basispunkten. „Dazu kommen die Gebühren der Banken, die meist zwischen 10 und 30 Basispunkten liegen“, erklärt er. Zwischen 40 und im Extremfall auch 80 Basispunkte könnten da schon zusammenkommen. Bei kleineren Sockelbeträgen verzichteten einige Depotbanken auf die negativen Zinsen. Ein Marktstandard habe sich noch nicht herausgebildet, vieles sei Verhandlungssache.

Depotbanken schweigen zu negativen Zinsen

Auf eine Anfrage von DerTreasurer äußerte sich nur die DekaBank als eine von sieben Depotbanken dazu. Sie erhebt als Verwahrstelle negative Zinsen für Liquidität, die Sondervermögen bei ihr vorhalten. Davon seien sowohl Publikums- als auch Spezialfonds betroffen. Der Zinssatz orientiere sich am EU-Referenzzinssatz Euribor. Die Bank betont: „Im Gegensatz zu anderen Häusern verzichtet die DekaBank als Verwahrstelle bei negativen Zinsen auf eine sonst übliche Marge.“ BNP Paribas, JP Morgan und HSBC wollten sich nicht äußern. BNY Mellon, State Street und DZ Bank ließen eine Bitte um Stellungnahme unbeantwortet.

Erste Ansätze von Seiten der Pensionsreinrichtungen, die Quote noch weiter zu senken, gibt es bereits. „Einige versuchen das Cash möglichst schnell abzuziehen und zwischenzeitlich in ETFs, Aktien oder Anleihen anzulegen“, sagt Jeffrey Dissmann. Das Thema könnte zudem weiter an Brisanz gewinnen, sobald die Derivateregulierung Emir auch die Pensionsfonds trifft: Sie müssen ab August 2017 bestimmte Derivategeschäfte über eine zentrale Clearingstelle abrechnen. Dafür müsste mehr Cash vorgehalten werden als bisher, so der Experte.

koegler[at]derTreasurer.de

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