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01.04.19
Asset Management

Eonia soll an Estr gekoppelt werden

Die Arbeitsgruppe der EZB zur Umstellung der Referenzzinsen schlägt eine Übergangslösung zur Berechnung des Eonia vor. Gleichzeitig schreiten die Diskussionen über mögliche Alternativen zum Euribor weiter voran.

Die Umstellung der in Verruf geratenen Referenzzinssätze Euribor und Eonia schreitet voran. Dass der Eonia als risikoloser Zins von dem neuen EZB-Zins Estr (vormals Ester) abgelöst werden soll, steht schon länger fest. Zur Erleichterung des Übergangs hat die Arbeitsgruppe der Finanzindustrie, die die EZB und andere Behörden ins Leben gerufen haben, nun einen neuen Vorschlag gemacht: Die Berechnungsmethode des Eonia soll übergangsweise umgestellt werden. Der Eonia soll ab Veröffentlichung des Estr am 2. Oktober aus dem neuen Zinssatz plus einem festen Zinsaufschlag berechnet werden.

Hintergrund dieses Vorschlags: Erste Testberechnungen hatten gezeigt, dass der Estr etwas niedriger ausfällt als der Eonia. Diese Übergangslösung soll den Marktteilnehmern die Umstellung auf den neuen Zinssatz erleichtern. Die Arbeitsgruppe empfiehlt, bei allen Verträgen und Produkten, die bislang auf dem Eonia basieren, schrittweise den Estr einzusetzen. Zudem sollen alle Betroffenen die notwendigen Anpassungen an ihren IT-Systemen vornehmen. Das European Money Market Institute (Emmi), das den Eonia herausgibt, hat zu diesen Plänen eine Konsultationsphase gestartet, die bis 15. April läuft.

EZB-Arbeitsgruppe arbeitet weiter an Euribor-Alternativen

Auch an möglichen Euribor-Alternativen arbeitet die Arbeitsgruppe weiter. Sie empfiehlt eine Methode zur Berechnung einer zukunftsgerichteten Terminzinsstrukturkurve, die auf den Estr-Derivatemärkten basiert. Diese soll als Rückfalllösung für Verträge genutzt werden, die bislang den Euribor einsetzen. Hier will die Arbeitsgruppe aber noch weitere Untersuchungen vornehmen und auch vergangenheitsbezogene Ansätze analysieren. Der bisherige Euribor wird zukunftsbezogen berechnet.

Neben der Arbeitsgruppe der EZB arbeitet auch die International Swaps and Derivatives Association (Isda) an einer möglichen Rückfalllösung für an Euribor gekoppelte Derivate. Eine Konsultation dazu soll nach der ersten Veröffentlichung des Estr erfolgen.

Mit den aktuellen Empfehlungen der Arbeitsgruppe nimmt die Umstellung der Referenzzinssätze weiter Form an. Mit der kürzlich verkündeten Fristverlängerung seitens der EU mildert sich zudem der enorme Zeitdruck. Bis Ende 2021 ist nun Zeit, um Alternativen für die bisher verwendeten Referenzzinssätze zu finden oder ihre Berechnungsmethoden zu reformieren und dafür stärker tatsächliche Transaktionsdaten heranzuziehen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Über alle Entwicklungen rund um die Umstellung von Eonia, Euribor & Co. hält Sie unsere Themenseite zu den Referenzzinssätzen auf dem Laufenden.

In einer früheren Version des Artikels wurde der Euribor versehentlich aus vergangenheitsbezogener Zinssatz beschrieben. Dies wurde korrigiert.