Erst wenn der NAV unter eine bestimmte Schwelle fällt, drohen Ratingaktionen.

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16.07.14
Asset Management

Geldmarktfonds: S&P bleibt gelassen

Die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank kann zu negativen Renditen bei Geldmarktfonds führen. Dennoch sieht Standard & Poor's derzeit keinen Anlass für Ratingaktionen.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) geht davon aus, dass Geldmarktfonds nach dem jüngsten Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank wegen sinkender Renditen mit verstärkten Abflüssen rechnen müssen. In einer aktuellen Analyse betonen die Bonitätswächter aber zugleich, dass der Einsatz dieser Fonds im Cash Management von Unternehmen wegen der hohen Kreditqualität der Assets und der hohen Liquidität nach wie vor sinnvoll ist. „Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Zinssenkungen der EZB auf die einzelnen Euro-Geldmarktfonds durchschlagen. Eher früher als später werden wir das bei Fonds mit einer niedrigen Duration, wie beispielsweise bei Liquidity Fonds, und bei Fonds mit vergleichsweise hohen Managementgebühren sehen“, sagt S&P-Analyst Francoise Nichols.

Nichols glaubt, dass sich der negative Einlagensatz, mit dem Banken bestraft werden, wenn sie Geld bei der EZB bunkern, durch das Finanzsystem arbeiten und in einigen Geldmarktsegmenten zu negativen Renditen führen wird. Inzwischen notiert Eonia, der Durchschnittssatz für Tagesgelder im Interbankengeschäft und die Benchmark für Geldmarktfonds, mit knapp vier Basispunkten nur noch knapp über der magischen Nulllinie.

Ende Mai, kurz vor der Zinssenkung der EZB, kostete Tagesgeld noch 45 Basispunkte. Zu diesem Zeitpunkt rentierten die von S&P bewerteten Geldmarktfonds auf Sicht von sieben Tagen mit durchschnittlich 18 Basispunkten.

S&P sieht angesichts negativer Renditen aber keinen sofortigen Anlass zu Ratingaktionen. Erst wenn der Nettoinventarwert (NAV) unter eine bestimmte Schwelle fallen würde – bei AAA-gerateten Fonds sind das beispielsweise 0,25 Prozent – müssten die Fonds mit Downgrades rechnen. „Wenn der NAV eines AAA-Fonds unter 0,9964 je Anteilsschein fällt, wäre ein Downgrade auf A die Folge“, erklärt Nichols. Für Treasurer wäre ein solches Szenario aber auch kein Beinbruch, denn in vielen Finanzabteilungen bestimmt ein internes Rating- und Limitsystem die Auswahl der Fonds zur Steuerung der kurzfristigen Liquidität. In diesem Prozess sind Noten externer Ratingagenturen ein wichtiges, aber nicht das alleinentscheide Kriterium.

Knoch[at]derTreasurer.de